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Massensturm

Bisher 72 Tote in Ceuta: Behörden bereiten sich auf 200 Leichen vor

Bisher 72 Tote in Ceuta: Behörden bereiten sich auf 200 Leichen vor
FOTO: EPA/REDUAN DRIS
3 Min. Lesezeit |

72 Tote, Tausende Rückkehrer, eine Stadt im Ausnahmezustand – Ceuta kämpft noch immer mit den Folgen.

Tage nach dem massiven Migrantenansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta zeichnet sich das volle Ausmaß der Katastrophe erst allmählich ab. Einsatzkräfte bargen weitere Leichen aus dem Meer, die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg am Sonntagvormittag auf 72. Das teilte Miguel Angel Perez Triano, der Vertreter des spanischen Innenministeriums in Ceuta, mit. Zuvor war die offizielle Opferzahl mit 67 angegeben worden.

Die Suche im Meer dauert an. Bereits am Freitag hatte der staatliche Sender RTVE unter Berufung auf die Behörden berichtet, dass die meisten Menschen beim Versuch ertrunken seien, schwimmend von der marokkanischen Küste in die Exklave zu gelangen.

Mehr Tote erwartet

Die spanische Zeitung „El País“ zitierte einen anonymen Polizeibeamten mit den Worten: „Es gibt mehr Tote im Meer.“ Den Informationen der Zeitung zufolge bereiten die Behörden der Stadt eine Einrichtung vor, um bis zu 200 Leichen aufbahren zu können. Amtlichen Schätzungen zufolge überquerten vor allem am Mittwoch und Donnerstag zwischen 50.000 und 60.000 Menschen irregulär die Grenze nach Ceuta.

Die spanische Regierung gab an, dass nahezu alle Angekommenen inzwischen nach Marokko zurückgekehrt seien. RTVE berichtete, dass sich am Wochenende noch einige hundert Neuankömmlinge in der Exklave aufhielten.

Bild- und Videomaterial zeigte, wie Menschen mithilfe von Schwimm- und Autoreifen von der marokkanischen Küstenstadt Fnideq aus versuchten, Ceuta zu erreichen. Andere überwanden die Grenzzäune. Jene, die in der Stadt verblieben, streiften noch immer ziellos durch die Straßen und sorgten bei der Bevölkerung für wachsendes Unbehagen.

Der Frust sitzt tief: „Ständig kommen junge fremde Männer vorbei, sind aufdringlich. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres abwimmeln“, erklärte etwa Alejandro der „Bild“-Zeitung. „Deshalb muss ich ständig den Schlagstock präsentieren, um sie zu verscheuchen.“

Die anhaltende Unsicherheit beeinträchtigt zunehmend auch den Alltag der Einwohner. Viele Geschäfte blieben aus Angst weiterhin geschlossen. „Uns geht langsam das Brot aus. Heute gab es kein frisches Brot, weil die Bäckereien geschlossen waren“, erklärte Straßenreiniger Miguel Angel Campana gegenüber der AFP. Dazu kommt die Sorge, dass Menschen in Wohnhäuser eindringen und diese besetzen könnten.

Neue Grenzbarrieren

An der Küste hat sich die Lage unterdessen offenbar stabilisiert. Eine Reporterin von RTVE berichtete vor Ort, dass keine neuen Versuche beobachtet worden seien, das Meer zu überqueren. Zu sehen waren lediglich Arbeiter, die dem Sender zufolge mit der Installation von Bojen als physische Grenzmarkierung beschäftigt waren.

Bereits am Freitag hatte die Guardia Civil eine 500 Meter lange aufblasbare orangefarbene Barriere im Wasser errichtet. In Kombination mit der Bojenkette soll damit die Kontrolle und Überwachung des Küstenabschnitts verbessert werden.

Mit diesen Maßnahmen reagiert Spanien auch auf eine rechtliche Lücke, die ein Urteil des Obersten Gerichtshofs hinterlassen hatte und die beim jüngsten Ansturm offenbar eine entscheidende Rolle spielte. Das Gericht hatte festgestellt, dass Personen, die über einen unbefestigten Abschnitt – etwa das Meer – irregulär nach Spanien gelangen, Anspruch auf eine individuelle Asylprüfung haben. Eine unmittelbare Zurückweisung ist demnach nur dann zulässig, wenn ein Zaun oder eine andere bauliche Sperre überwunden wurde.

Spanischen Behördenangaben zufolge verbreiteten Schlepper gezielt das Gerücht, dass jeder „bleiben“ dürfe, der sich dieses Schlupfloch zunutze mache. Dieser Fehlinformation sei es zuzuschreiben, dass so viele Menschen den Weg durch das Meer gewählt hätten – und dabei ums Leben gekommen seien.

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KO KOSMO-Redaktion
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