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Schönheitswandel

Blonde KI-Schönheit erobert Vogue – Modewelt in Aufruhr

Blonde KI-Schönheit erobert Vogue – Modewelt in Aufruhr
(Foto: Printscreen/Reddit)
3 Min. Lesezeit |

Die Vogue präsentiert erstmals ein KI-Model in einer Anzeige – perfekt, blond und umstritten. Experten warnen vor unrealistischen Schönheitsidealen und Jobverlusten.

Eine KI-generierte Frauenfigur mit langen blonden Haaren und makellosen Proportionen sorgt derzeit für Aufsehen in der Modewelt. Die virtuelle Schönheit wird in der August-Ausgabe der Vogue in einer doppelseitigen Anzeigenkampagne für die Marke Guess zu sehen sein. Das Besondere daran: Bei diesem Model handelt es sich nicht um eine reale Person, sondern um ein vollständig durch künstliche Intelligenz erschaffenes Wesen, wie ein dezenter Hinweis in der Anzeige verrät.

Die BBC berichtet, dass dies den ersten Einzug eines KI-generierten Models in die renommierte Modezeitschrift Vogue markiert, allerdings zunächst nur im Anzeigenbereich, nicht in redaktionellen Inhalten. Für die Umsetzung dieser digitalen Kampagne engagierte Guess das auf KI-Inhalte spezialisierte Startup Seraphinne Vallora. Die Gründerinnen Valentina Gonzalez und Andreea Petrescu erzählen, dass Guess-Mitbegründer Paul Marciano sie über Instagram kontaktierte und sich nach Sichtung von zehn Entwürfen für zwei entschied.

Das Unternehmen Seraphinne Vallora betont, dass es nicht darum gehe, menschliche Models zu verdrängen, sondern neue Werbemöglichkeiten zu erschließen. Der Hauptvorteil liege in der Kostenersparnis bei Fotoshootings, Locations und Personal. Die Gründer räumen jedoch ein, dass ihre KI-Models mit diverseren Merkmalen – etwa dunklerer Hautfarbe – in sozialen Medien weniger Anklang finden. Zudem fehlen bislang Plus-Size-Varianten, da die Technologie dafür noch nicht ausgereift sei. Das Resultat: Die virtuellen Models auf ihrer Plattform weisen eine auffallende Uniformität auf.

Kontroverse Reaktionen

Die Werbekampagne löst international kontroverse Reaktionen aus. Plus-Size-Model Felicity Hayward kritisiert gegenüber der BBC, dass die computergenerierten Idealfiguren die hart erkämpften Fortschritte bei der Diversität in der Modebranche zunichtemachen könnten. Sie bezeichnet den KI-Einsatz als „faul und billig“. Auch Vanessa Longley von der Organisation Beat (Essstörungen-Hilfe) warnt vor den negativen Auswirkungen künstlich perfekter Körperbilder auf das Selbstwertgefühl junger Menschen.

Die Kampagne sorgte unmittelbar nach Veröffentlichung in sozialen Medien für heftige Diskussionen. Branchenvertreter befürchten langfristige negative Auswirkungen auf die mühsam erkämpften Diversitätsbemühungen der Modebranche, nachdem Jahre der Arbeit investiert wurden, um realitätsnähere Körperbilder zu etablieren.

Sinead Bovell, ehemalige Laufstegschönheit und heute im Technologiesektor tätig, hatte diese Entwicklung bereits 2020 prognostiziert. In einem Vogue-Artikel warnte sie damals: „Ich bin ein Model und ich weiß, dass mir die KI schlussendlich meinen Job wegnehmen wird.“ Sie sieht darin den Versuch der Modebranche, Produktionsprozesse zu automatisieren. Besonders problematisch sei, dass die ohnehin für Ausbeutung anfällige Branche durch KI noch prekärere Arbeitsbedingungen schaffen könnte.

Chancen und Risiken

Viele Models hätten keine Möglichkeit, sich gegen die Nutzung ihrer Bilder für KI-Trainings zu wehren. Bovell kritisiert zudem, dass die bereits verzerrten Schönheitsideale durch KI noch unrealistischer würden – mit der Folge, dass sich junge Frauen chirurgischen Eingriffen unterziehen, um ihren gefilterten Selfies zu entsprechen.

Die Medaille hat jedoch auch eine positive Seite: KI-Models könnten zu einer umweltfreundlicheren Modeproduktion beitragen, analysiert Bovell. Der ökologische Fußabdruck von Fotoshootings würde reduziert, Produktionen effizienter und kostengünstiger gestaltet. Dies könnte Mode letztlich zugänglicher machen. Zukunftsweisend sei auch die Möglichkeit, mit personalisierten KI-Avataren Kleidungsstücke virtuell anzuprobieren.

Dennoch gibt die Tech-Unternehmerin zu bedenken: „Vielleicht entscheidet sich die Gesellschaft irgendwann ganz bewusst dagegen. Weil wir wissen, dass es nicht echt ist.“

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KO KOSMO-Redaktion
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