Start NEWS CHRONIK Coronavirus: Wo ist das Ansteckungsrisiko am größten?
COV-HOTSPOTS?

Coronavirus: Wo ist das Ansteckungsrisiko am größten?

Corona_Neuinfektionen_Wien
Symbolbild (FOTO: iStockphotos)

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der täglichen Coronavirus-Neuinfektionen in Österreich massiv angestiegen. Doch wo besteht das größte Ansteckungsrisiko? KOSMO die schlimmsten Ansteckungsherde für euch zusammengefasst.

Mit Blick auf den Herbst fragen sich viele, wie sie sich am besten vor dem Erreger schützen können. In geschlossenen Räumen ist das Ansteckungsrisiko bekanntlich am größten, doch nicht in jedem Setting besteht die gleiche Gefahr.

Das neuartige Coronavirus wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das heiß: Beim Atmen, Sprechen, Husten und Niesen werden die Viren ausgestoßen und von anderen Personen über die Atemorgane aufgenommen. Laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) passiert die Übertragung beim Reden, Singen und Schreien, aber meist bei längerem, direktem Kontakt (mindestens 15 Minuten) mit weniger als einem Meter Abstand.

Das erklärt, warum Lokale, Bars und Diskotheken zu CoV-Hotspots werden können. Lüften ist nämlich in vielen Bars und Diskotheken bei vollem Betrieb unmöglich. Hinzu kommen der enge Kontakt der Gäste und eine Geräuschkulisse, in der man sich oftmals nur durch Schreien bzw. lautes Reden verständigen kann.

Daher erteilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) der Wiedereröffnung der Nachtgastronomie vergangene Woche in der ZIB2 auch eine klare Absage. Doch auch in anderen geschlossenen Räumen ist das Ansteckungsrisiko sehr hoch.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit als Faktoren
Je kleiner die Flüssigkeitspartikel sind, desto leichter können sie sich auch über eine größere Distanz hinweg verbreiten. Sind sie kleiner als fünf Mikrometer (was bei CoV-Infektionen durchaus möglich ist), kann sich die „Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auch über eine größere Distanz als zwei Meter erhöhen“ – vor allem bei einem längeren Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen, so das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI). Das sei insbesondere der Fall, wenn eine infektiöse Person „besonders viele kleine Partikel ausstößt und exponierte Personen besonders tief einatmen“.

„Je kleiner die Tröpfchen, desto länger schweben sie“
Hinzu kommt, dass kleinere Tröpfchen beim Sprechen, Husten und Niesen im Gegensatz zu den größeren Tröpfchen laut der Virologin Judith Aberle von der MedUni Wien weiter fliegen können.

Im Herbst und Winter spielt sich das Leben in geschlossenen Innenräumen ab. Wie sich ansteckende Flüssigkeitspartikel in diesen Räumen verbreiten, hängt laut Aberle von Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab: „Wenn die Luftfeuchtigkeit in der Heizperiode sinkt, schrumpfen die Tröpfchen und bleiben länger in der Luft. Daher ist regelmäßiges Lüften eine wichtige Maßnahme in geschlossenen Räumen, wo sich viele Leute aufhalten“.

Geringeres Risiko in „Öffis“
Überraschend ist hingegen die relativ neue Erkenntnis, dass das Ansteckungsrisiko in den „Öffis“ geringer sein könnte als bisher befürchtet. Bei Untersuchungen in Paris und Tokio konnten keine Infektionscluster gefunden werden, die ihren Ausgang in öffentlichen Verkehrsmitteln nahmen. Auch in Österreich habe es bisher keine Ausbrüche gegeben, die auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzuführen sind, so AGES-Chefepidemiologe Franz Allerberger. Als Grund vermutet er, dass Menschen in der U-Bahn und im Autobus im Regelfall nicht länger als 15 Minuten in engem Abstand miteinander sprechen.

Auch im Flugzeug könnte die Ansteckungsgefahr weniger drastisch sein als von vielen Reisenden befürchtet. Das legt eine aktuelle deutsche Studie nahe. Ein Forschungsteam der Uniklinik Frankfurt am Main hatte für seine Untersuchung alle Passagiere eines Fluges kontaktiert, in dem eine Gruppe infizierter Touristen saß. Das Ergebnis: Die mindestens sieben vorab Infizierten steckten nur zwei weitere Passagiere nachweisbar an.

Studie: Maske schützt auch Träger
Und auch eine weitere Studie lässt im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie mit neuen Erkenntnissen aufhorchen: Laut einer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit aus den USA, könne eine Maske – vor allem in geschlossenen Räumen –  nicht nur Menschen in der Umgebung schützen, sondern auch den Trägern. Masken könnten nämlich die Dosis an infektiösem Material reduzieren, die eine Person aufnimmt. Selbst wenn man das Virus aufnehme, sei es wahrscheinlich, dass die Infektion sich nur mit milden oder sogar gar keinen Symptomen bemerkbar mache, sagte Studienautorin Monica Gandhi dem US-Radiosender NPR.