Start NEWS PANORAMA Da bleibt kein Auge trocken: Silvios Suche nach seiner wahren Identität

Da bleibt kein Auge trocken: Silvios Suche nach seiner wahren Identität

Silvio Loreti
(FOTO: Jakov Prkić / HANZA MEDIA)

Es sei schwer zu beschreiben, welche Emotionen ihn überkamen, als er endlich erfuhr, woher er und woher seine Familie eigentlich stammen.

„Mein ganzes Leben lang war ich ein Ausländer, eine Person, welche nur mit Ach und Krach eine Staatsbürgerschaft bekommen hab, aber jetzt bin ich der reichste Mensch der Welt, da mein Herz der Stadt Split gehört. Nun weiß ich es endlich: Ich bin aus Split und zur Hälfte Kroate“, erzählte Silvio Loreti (73) aus Udine im Interview für „Slobodna Dalmacija“.

Silvio kam im deutschen KZ Christianstadt/Bober (Krzystkowice) zur Welt und aufgewachsen ist er in einem Waisenhaus. Sein ganzes Leben lang war er auf der Suche nach seiner Identität, welche ihn schlussendlich in Kroatien fand.

„Wie das Schicksal so spielt habe ich bei eine Abendessen den Nadan Petri, einen Arzt aus Split kennengelernt, welcher mir dabei half, meine Identität aufzuklären. Über das Meldeamt fanden wir heraus, dass meine Mutter Vesna den italienischen Soldaten Giuseppe in der Kirche Sveti Petar geheiratet hat. Diese wurde während des Bombardements zerstört“, erzählte Silvio, welcher zuerst auf einer komplett falschen Spur war, da er dachte seine Mutter sei aus Pula.

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Tea und Mirsad lernten sich vor vier Jahren kennen und seitdem sind sie unzertrennlich, auch wenn sie mit Vorurteilen zu kämpfen haben.

 

Laut den Heiratsdokumenten haben seine Eltern am 25. September 1943 den Bund der Ehe geschlossen. An diesem Tag wanderten deutschen Soldaten in Split ein und hunderte Frauen heirateten in kurzer Zeit italienische Mitglieder des Militärs. So kam es auch dazu, dass Silivios Eltern Vesna Dumanić-Šulenta und Giuseppe de Stefani vor den Altar traten.

Kurz darauf wurden sie in das KZ Christianstadt/Bober (Krzystkowice) deportiert, wo auch Silvio zur Welt kam.

Niemand weiß genau, wie seine Mutter es schaffte, ihn aus dem Lager zu schaffen und an ein Waisenhaus zu übergeben. Vesna verstarb an Tuberkulose in einem Sanatorium in der Nähe von Triest, während sein Vater wohl an posttraumatischen Belastungsstörungen litt. Giuseppe wollte nichts mehr mit Silvio zu tun haben, da er nicht für ihn sorgen konnte.

Silvio Loreti 2
(FOTO: Jakov Prkić / HANZA MEDIA)

Gehört hat er von seinem Vater niemals und wo genau sich das Grab seiner Mutter befindet weiß der 73-Jährige auch nicht.

„Ich habe nur sehr blasse Erinnerungen an meine Mutter. Ich glaube, dass ich sie zwei oder drei Male gesehen habe. Ich hatte keine Dokumente, weshalb sie mir im Waisenhaus den Nachnamen Loreti gaben. Als ich dann angefangen hab zu arbeiten, hatte ich große Probleme, da ich kein italienischer Staatsbürger war und in Großbuchstaben stand auf all meinen Dokumenten ‚Ausländer’“. Die Polizei kontrollierte mich ständig, als ob ich ein Krimineller wäre.“

Dank eines Mitarbeiters im Waisenhaus hat Silvio dann über Umwege die italienische Staatsbürgerschaft bekommen. Trotzdem gab es immer noch Probleme – bei der Hochzeit, zum Beispiel, mussten acht Zeugen anwesenden sein, um seine Identität zu bestätigen, da er keinen Geburtsschein hatte.

Immer wieder kam in ihm die Frage auf, woher er wirklich stamme. Ab und zu hätte er Nachforschungen angestellt, welche ihn allerdings zuerst auf die falsche Fährte leiteten. Silvio dachte bis 2012, dass seine Mutter aus Pula stammt.

Als sein Bekannter, der Doktor aus Split, die Silvios Geschichte hörte, entschied er sich bei der Ahnenforschung helfen. Als sich die Spur in Pula als falsch herausstellte, verwiesen neue Quellen auf Split, wo sie auf den Nachnamen Dumanić-Šulenta stießen.

Silvio und seine Ehefrau beim ersten Besuch des Grabes der Großeltern. (FOTO: zVg.)

Im Staatsarchiv stießen sie schlussendlich auf die Namen der Großeltern Silvios: Pera und Domina Dumanić. Diese wussten womöglich nie, dass sie einen Enkelsohn haben und was genau mit der Tochter, welche mit 17 Jahren Split verließ, passiert ist.

„Das erste Mal nach Split kam ich genau am 1. Juli 2013. An diesem Tag wurde Kroatien offiziell in die Europäische Union aufgenommen. Es war auch ein Feiertag für mich. Split erstrahlte in einem ganz besonderen Glanz und ich habe sofort gewusst, dass die Stadt einen besonderen Platz in meinem Herzen hat. Damals habe ich auch meine Verwandte Silvija kennengelernt, welche leider kurz darauf verstarb.“

Nun ist Silvio wieder in Split, wo, wie er selbst sagt, sein Herz am rechten Fleck ist.

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