Vermeintliches Spielzeug löst Polizeieinsatz aus: Ein Moldauer brachte eine am Boden liegende Militärdrohne arglos nach Hause – und sorgte damit für Aufregung in der Grenzregion.
In Moldau hat die Polizei Spezialisten für Bombenentschärfung in eine Ortschaft nahe der ukrainischen Grenze beordert, nachdem ein Bewohner eine am Boden liegende Drohne für ein Spielzeug gehalten und in sein Zuhause gebracht hatte. Bei ihrem Eintreffen am Mittwoch in Pepeni im Bezirk Sîngerei, etwa 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Chisinau, stellten die Beamten fest, dass das vier Tage zuvor gefundene Flugobjekt bereits demontiert worden war. Der Bürgermeister von Pepeni hatte die Behörden alarmiert.
In einem von der Gemeindeverwaltung in sozialen Netzwerken verbreiteten Video war die Drohne auf einem Anhänger zu sehen, der an einen kleinen, in ländlichen Regionen üblichen Traktor gekoppelt war. „Ein Bürger hielt sie für ein Spielzeug… und brachte sie in die Ortschaft Pepeni“, sagt Bürgermeister Oleg Cernei in dem Video. „Sobald es innerhalb der Gemeindegrenzen auftauchte, habe ich die Person identifiziert und die staatlichen Institutionen informiert.“
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Nach Angaben der Polizei enthielt die Drohne keinen Sprengstoff und stellte keine Gefahr dar. Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, „heruntergefallene Drohnen oder ähnliche Objekte nicht zu berühren oder zu versuchen, sie zu transportieren“.
Russische Drohnen
Die Herkunft der Drohne wurde von den Behörden nicht spezifiziert. Sie identifizierten das Gerät als Drohne vom Typ Gerbera, die typischerweise für improvisierte Angriffe oder Aufklärungszwecke eingesetzt wird. Derartige Drohnen wurden von russischen Streitkräften bereits in der Ukraine verwendet.
Der Zwischenfall reiht sich ein in eine Serie von Luftraumverletzungen und Drohnenfunden auf moldauischem Territorium seit Beginn der russischen Großoffensive gegen die Ukraine 2022. In der vergangenen Woche wurde der moldauische Luftraum während russischer Angriffe auf die Ukraine mehrfach von unbemannten Flugobjekten durchquert. Im Feber detonierten zwei Drohnen über Moldau nach einem Angriff auf einen ukrainischen Hafen jenseits der Grenze.
NATO-Gegenmaßnahmen
Ganz Europa befindet sich in erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem im September Drohnenüberflüge in den NATO-Luftraum ein beispielloses Ausmaß erreicht hatten. Dies veranlasste die europäischen Regierungschefs zur Vereinbarung, eine „Drohnenmauer“ entlang ihrer Grenzen zu errichten, um Flugobjekte, die in den europäischen Luftraum eindringen, besser zu detektieren, zu verfolgen und abzufangen.
Im November gaben NATO-Militärvertreter bekannt, dass ein neuartiges US-Drohnenabwehrsystem an der östlichen Flanke des Bündnisses positioniert wurde. Nach einer Verletzung des polnischen Luftraums kündigte NATO-Generalsekretär Mark Rutte die Implementierung des Programms Eastern Sentry an, das weitere russische Grenzverletzungen verhindern soll.
Einige europäische Parlamentarier interpretierten die Vorfälle als gezielte Tests der NATO-Reaktionsfähigkeit durch Moskau, was Fragen zur Bereitschaft des Bündnisses gegenüber potenziellen Bedrohungen aus Russland aufwirft.
Der Kreml hat Behauptungen, Russland stehe hinter manchen der nicht identifizierten Drohnenflüge in Europa, als „unbegründet“ zurückgewiesen.