Ein Tigerjunges, eine Leine, ein Shooting und Aufnahmen, die jetzt die Staatsanwaltschaft beschäftigen.
Ein Fotoshooting mit dem 14 Monate alten Tiger Fritz hat in Deutschland eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Tierschutzorganisation VETO wirft dem Veranstalter vor, das Tier bei der Ende August abgehaltenen Veranstaltung mehrfach gewaltsam an der Leine gerissen zu haben. In der Folge erstattete VETO bei der Staatsanwaltschaft Bonn Strafanzeige wegen Tierquälerei.
Schwere Vorwürfe
Am Mittwoch veröffentlichte die Organisation Videoaufnahmen des Shootings und erhob dabei schwere Vorwürfe gegen den Dompteur von Melody’s Circusland. VETO-Sprecherin Scarlett Treml zog dabei einen direkten Vergleich zu international kritisierten Tigershootings in Thailand: „Jeder empört sich über Tigershootings in Thailand, während genau derselbe Irrsinn bei uns in Deutschland ganz legal passiert.“ Die Organisation hält fest, dass hinter solchen Aufnahmen grundsätzlich eine Dressur stehe, die auf Angst, Gewalt und Einschüchterung basiere.
Rechtliche Lücken
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine seit Langem bestehende Lücke im deutschen Tierschutzrecht. Ein bundesweit einheitliches Verbot für Zucht, Handel oder Haltung von Großkatzen in Zirkussen existiert in Deutschland nicht. Dass ein solcher Rechtsrahmen fehlt, steht spätestens seit einem Vorfall im Mai dieses Jahres im Fokus, als ein Tiger in Leipzig einen Helfer tötete. Einschneidende gesetzliche Konsequenzen blieben seither aus.
VETO richtet sich nun mit einer Petition an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und fordert ein generelles Verbot von Tieren in Zirkussen.
Die Staatsanwaltschaft Bonn hat die eingereichte Strafanzeige zu prüfen, bevor weitere rechtliche Schritte folgen können.