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Zentralfriedhof

DNA-Spur überführt 27-Jährigen – Nazi-Schmierereien und Feuer auf jüdischem Friedhof

DNA-Spur überführt 27-Jährigen – Nazi-Schmierereien und Feuer auf jüdischem Friedhof
Zentralfiredhof Wien. FOTO: iStock/manfredxy
3 Min. Lesezeit |

Nächtlicher Angriff auf jüdisches Erbe: Nach dem Brandanschlag auf den Wiener Zentralfriedhof steht ein 27-jähriger Österreicher vor Gericht. Die Beweise sind erdrückend.

In der Nacht zum 1. November 2023 wurde der jüdische Teil des Wiener Zentralfriedhofs Ziel eines Brandanschlags. Der Vorraum der Zeremonienhalle am Tor IV wurde durch Feuer zerstört, während die Außenwände mit Hakenkreuzen und anderen Schmierereien verunstaltet wurden. Nach intensiven Untersuchungen konnten das Landeskriminalamt (LKA) und das Wiener Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) einen Verdächtigen identifizieren und unter Anklage stellen. Es handelt sich um einen 27-jährigen österreichischen Staatsbürger ohne Vorstrafen.

Den Sicherheitsbehörden war der Mann bislang nicht bekannt, und er scheint keine Verbindungen zu antisemitischen Gruppierungen zu haben. Obwohl der Verdächtige den nächtlichen Anschlag, bei dem Brandbeschleuniger verwendet wurde, abstreitet, belasten ihn am Tatort gefundene Spuren, ein DNA-Gutachten sowie die Auswertung von Mobilfunkdaten.

Die Sprecherin des Landesgerichts, Christina Salzborn, bestätigte am Mittwoch, dass die Staatsanwaltschaft eine Anklage nach § 3f Verbotsgesetz (Gesetz gegen nationalsozialistische Wiederbetätigung) eingereicht hat. Dem Beschuldigten werden schwerwiegende Straftaten – konkret Brandstiftung und schwere Sachbeschädigung – als Mittel nationalsozialistischer Betätigung zur Last gelegt.

Drohende Haftstrafe

Im bevorstehenden Schwurgerichtsprozess, für den noch kein Termin feststeht, droht dem Angeklagten bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe zwischen zehn und zwanzig Jahren. Der 27-Jährige befindet sich derzeit auf freiem Fuß.

Die Identifizierung des Verdächtigen gelang durch akribische Ermittlungsarbeit der Polizei. Im ausgebrannten Vorraum der Zeremonienhalle sichergestellte Beweisstücke wurden forensisch untersucht. Die Ermittler konnten über Chargennummern eines Schutzanzugs und einer Spraydose, die dem Angeklagten zugeordnet werden, auf den 27-Jährigen schließen.

Zusätzlich ergab die DNA-Analyse einer Stoffprobe eine Übereinstimmung mit dem genetischen Profil des Verdächtigen. Die Auswertung seiner Handy-Daten soll außerdem belegen, dass er sich kurz nach Mitternacht im Funkzellenbereich des jüdischen Friedhofsteils aufgehalten hat.

Möglicher Komplize

In seinen bisherigen Vernehmungen hat der Angeklagte bestritten, über eine 1,5 Meter hohe Mauer geklettert zu sein, um in einem Nebenraum des Kuppelhauses ein Feuer zu legen. Auch für die rechtsextremen Schmierereien will er nicht verantwortlich sein. Der jüdische Friedhof am Tor IV des Wiener Zentralfriedhofs erstreckt sich über mehr als 241.000 Quadratmeter und zählt zu den größten jüdischen Begräbnisstätten Mitteleuropas.

Die Ermittler gehen davon aus, dass bei dem Anschlag möglicherweise ein Komplize beteiligt war. Hinweise darauf liefert eine am Tatort zurückgelassene Flasche, an der DNA-Spuren einer weiteren Person nachgewiesen werden konnten. Der finanzielle Schaden wird von den Strafverfolgungsbehörden auf 30.000 bis 40.000 Euro geschätzt.

Eine Anfrage der APA (Austria Presse Agentur) an die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) bezüglich einer detaillierten Schadensaufstellung und zum Fortschritt der Wiederherstellungsarbeiten in der Zeremonienhalle wird derzeit bearbeitet.

Die Ermittlungen zum möglichen Komplizen laufen weiterhin auf Hochtouren. Die Polizei prüft derzeit, inwiefern die gesicherten DNA-Spuren einer bislang unbekannten Person auf eine organisierte rechtsextreme Struktur hindeuten könnten. Nach derzeitigem Ermittlungsstand liegen jedoch keine konkreten Hinweise auf ein rechtsextremes Netzwerk vor.

Der Anschlag reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien hat nach dem Vorfall auf die deutlich gestiegene Bedrohungslage für jüdisches Leben in Österreich hingewiesen. Besonders nach dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 habe die Zahl antisemitischer Vorfälle landesweit zugenommen. Die IKG fordert deshalb verstärkte Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen, da die Angst in der jüdischen Bevölkerung Wiens spürbar gewachsen ist.

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