Start AKTUELLE AUSGABE Draško Stanivuković – ein Hauch von Jugend in Bosnien-Herzegowina
INTERVIEW

Draško Stanivuković – ein Hauch von Jugend in Bosnien-Herzegowina

Draško Stanivuković im Interview mit KOSMO (FOTO: A. Čavić)

Mit dem Amtsantritt als Bürgermeister von Banja Luka hat ein junger Politiker gezeigt, dass niemand unberührbar und unbesiegbar ist. Das Volk hat seine Ehrlichkeit anerkannt und ihm das Mandat erteilt, Veränderungen einzuleiten.

Draško Stanivuković ist ein moderner und gleichzeitig doch traditioneller junger Mann. Wenn man in bestimmten Kreisen dachte, er sei einfache Manipulationsmasse, so hat er doch gezeigt, dass er ein gerades Rückgrat hat und aus hartem Material gefertigt ist. Draškos Arbeitstag hat mehr als 24 Stunden und man gewinnt den Eindruck, dass es ihm an nichts fehlt außer an Zeit. Die Jugend ist für ihn kein Nachteil, sondern ein großer Vorteil, denn alle Generationen sehen ihn als einen der Ihren und glauben an die Stärke seines Willens, seine in Hoffnungslosigkeit versinkende Umgebung zu verändern. Mit KOSMO sprach er offen und klar, denn für ihn gibt es keine Tabus.

KOSMO: Wie ist die Struktur der Wähler, denen Sie das Bürgermeisteramt in Banja Luka verdanken?
Draško Stanivuković: Ich glaube bestimmt daran und habe das auch vor Ort gesehen, dass da alle Generationen vertreten waren. Die älteren Generationen, die Generationen meiner Eltern und Großeltern, haben in uns jungen Leuten die Energie, den Optimismus und die Hoffnung gesehen. Sie haben Menschen gesehen, die die Prozesse leiten sollten, die eine Stadt oder ein Land in die Zukunft führen. Auf der anderen Seite haben die jungen Menschen, die uns gewählt haben, (und ich glaube, das waren niemals mehr, und deswegen bin ich glücklich und dankbar) Altersgenossen in uns gesehen und jemanden, mit dem sie sich identifizieren können. Verschiedene Generationen sehen sich also in dieser Politik, in dieser Idee wiedergespiegelt, jeder auf seine Weise. Es war die Summe der verschiedenen Generationen, die dazu geführt hat, dass wir in Banja Luka auf diese Weise gewonnen haben.

Haben Sie den Eindruck, dass die Bürgermeisterwahlen auch ein Referendum waren bzw. den Wunsch ausdrücken, die Machtverhältnisse um jeden Preis zu verändern?
Stimmt, das war ein Referendum – Schwarz oder Weiß. Schwarz ist das, was wir seit 22 Jahren sehen: Korruption, Kriminalität, Nepotismus, Parteienherrschaft und Beschäftigung nach Parteibuch, und Weiß ist der Optimismus und der Wunsch, all das in der kommenden Legislaturperiode auszurotten. Heute, einige Monate nach den Wahlen, kann ich sagen, dass wir den optimistischen Bereich betreten, in dem wir die Dinge wirklich ausrotten. Angefangen damit, dass wir alle unsere Diplome vorgelegt haben, dass in der Stadtverwaltung alles transparent ist, dass wir jede ausgegebenen Mark belegen werden, dass wir uns mit dem Missbrauch von Dienstwagen und öffentlichen Ressourcen auseinandergesetzt haben usw.

“Es war die Summe der verschiedenen Generationen, die dazu geführt hat, dass wir in Banja Luka auf diese Weise gewonnen haben.”

In den sozialen Netzwerken ist offensichtlich, dass Sie große Unterstützung von jungen Menschen erhalten, egal, wo diese leben, auch in der Föderation von B-H. Wie erklären Sie sich das?
Es ist mir gelungen, die Politik zu vereinfachen und in den Rahmen des Realen und Rationalen zurückzubringen, sie auf den einzelnen Menschen abzustimmen, mit der klaren Botschaft, dass ein Engagement in der Politik gleichbedeutend ist mit einem Interesse an sozialen Belangen und dass sich daran jeder beteiligen kann. Mit einem derartigen Zugang und unter Einsatz aller modernen Tools und einer anderen Art des Politikmachens, die für jeden einzelnen zugänglich ist, haben wir das Engagement von so vielen jungen Menschen in der Politik erreicht.

In welchem Zustand haben Sie die Stadtverwaltung vorgefunden, als Sie das Bürgermeisteramt übernommen haben?
Das beste Beispiel dafür, in welchem Zustand wir die Stadt vorgefunden haben, ist die Tatsache, dass bei meinem Amtsantritt ein einziger Kugelschreiber auf dem Tisch gelegen ist. Da habe ich zu meinen Mitarbeitern gesagt, dass ich mich fürchte, damit zu schreiben, weil sich daran sicher jemand um das Doppelte von dem bereichert hat, was er wirklich gekostet hat. Das ist ein System, ein Klüngel miteinander verbundener Individuen und Firmen, die jahrelang systematisch öffentliche Mittel und öffentliche Güter aus dem Budget abgezogen haben. Dafür haben Sie sich nie Gedanken über die Art und Weise gemacht, die öffentlichen Mittel zu erhalten und zu vermehren. Ein Gefühl der Entfremdung unserer Bürger von der Stadt. Sehr häufig werden die Institutionen und Mittel der Stadt als etwas Fremdes gesehen, aber im Grunde gehören sie uns. Sie sollen uns allen dienen und wir alle müssen sie bewahren. Unsere Aufgabe ist es, eine solche Kohärenz zu schaffen, in der wir alle die Stadt bilden, sparen helfen und jede Mark richtig einsetzen. Bisher haben sie Limousinen gekauft, haben sich ihren Luxus finanziert, ohne dass die Bürger darüber entscheiden konnten. Die neue Verwaltung wird das Geld niemals so verprassen, jetzt wird transparent gemacht werden, wofür jede einzelne Mark aus dem Budget ausgegeben wird.

Was sind Ihre ersten Schritte, um Banja Luka sich und den Bürgern zurückzugeben?
Die Tore wurden gerade für die Bürger geöffnet und einigen Vorgängen und Personen, auch solchen, die bisher unberührbar waren, wurde ein Ende gesetzt. Was den Bürgern von Banja Luka unerreichbar fern erschien, ist jetzt anders. Die Stadt lag einfach wie eine Festung vor ihnen. Jetzt ist sie eine Institution, vor der jeder Mensch gleich ist. Damit ist die Stadt eine Stadt der Bürger geworden, die Gleichberechtigung fordern. Und das ist das Prinzip. Damit jemand etwas als sein Eigentum betrachten kann, muss er in dieser Stadt gleichberechtigt sein. Und das sieht man am Beispiel der Billboards: Irgendwer hat für 50 Billboards jahrelang nichts bezahlt, während ein anderer, der einen Stand für den 8. März haben wollte, keinen bekommen konnte. Und diese Ungleichheit ist das, was die Bürger von der Stadt entfremdet und Misstrauen geschaffen hat, und das möchten wir ändern.

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