Drei Todesfälle, eine kriminelle Gruppe, Opfer im Kindesalter – hinter den Tragödien in Innsbruck zeichnet sich ein erschreckendes System ab.
Innsbruck trauert um drei junge Menschen – zwei Mädchen und einen jungen Mann –, deren Tod die Stadt in Schock versetzt hat. Besonderes erschütternd ist das Schicksal einer Schülerin aus dem Tiroler Oberland: Am 26. Februar feierte sie noch ihren 13. Geburtstag, zwölf Tage danach war sie tot. Aufgefunden wurde sie in einer Wohnung in Innsbruck-Wilten – demselben Ort, an dem bereits fünf Tage zuvor ein etwa 18-jähriger Mann ums Leben gekommen war, wie die Tiroler Tageszeitung berichtet.
Auch die 16-jährige Freundin des Mädchens ist nicht mehr am Leben. Sie starb am 28. Februar in einer Wohnung im Tiroler Unterland und wurde erst kürzlich beigesetzt. In allen drei Fällen gehen die Ermittler davon aus, dass Drogen eine entscheidende Rolle gespielt haben – ein abschließendes Ergebnis liegt jedoch noch nicht vor.
Kriminelle Gruppe
Was die Behörden besonders beunruhigt: Alle drei Opfer sollen derselben kriminellen Gruppe angehört haben. Klaus Kapelari vom Kompetenzzentrum Gewaltschutz beschreibt ein gezieltes Vorgehen, bei dem junge – teils noch unmündige – Mädchen systematisch in die Abhängigkeit geführt werden. Ältere Jugendliche und Männer versorgen sie zunächst zu niedrigen Preisen mit Suchtmitteln, bevor die Forderungen drastisch steigen.
„Zuerst erhalten die Opfer günstig Drogen, dann werden dafür einschlägige Fotos verlangt“, schildert Kapelari die Vorgehensweise in der Tiroler Tageszeitung. In manchen Fällen sollen die Mädchen mit derart großen Mengen versorgt worden sein, dass sie das Bewusstsein verloren. Sobald die finanziellen Mittel für den wachsenden Konsum nicht mehr ausreichen, werden die Opfer zur Prostitution gedrängt.
Schwierige Ermittlungen
Die Polizei ermittelt daher wegen sexuellen Missbrauchs bis hin zur Vergewaltigung Unmündiger. Parallel dazu wird untersucht, wer den beiden Mädchen die tödlichen Substanzen überlassen hat – sollte dies nachgewiesen werden, droht den Verantwortlichen ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung. Besonderes Augenmerk richten die Ermittler auf den Mieter jener Wohnung in der Fritz-Pregl-Straße, in der die 13-Jährige und der junge Mann innerhalb weniger Tage gestorben sind.
Kapelari zufolge sind zahlreiche weitere Mädchen von der Gruppe betroffen. Die Ermittlungen gestalten sich jedoch äußerst schwierig: „Die Polizei erhält von den Opfern kaum verwertbare Aussagen. Die ohnehin sehr verletzlichen Mädchen haben Angst, kein Suchtgift mehr zu erhalten. Außerdem werden sie auch bedroht.“
Gleichzeitig betont der Experte, dass mehrere Innsbrucker Einrichtungen eng miteinander kooperieren, um die betroffenen Mädchen zu schützen und zu unterstützen.