Jahrelang verkaufte er Eier an den Walmart – bis US-Marshals vor seiner Tür standen. Was sie ihm vorwerfen, reicht Jahrzehnte zurück.
Jahrzehntelang lebte er als freundlicher Nachbar, verkaufte Eier und fiel niemandem auf. Dann kamen die US-Marshals.
Hamdija Alukic, 70 Jahre alt, Familienvater, wohnhaft in Wilmer – einer beschaulichen Gemeinde im Umland von Mobile, Alabama. Wer ihn kannte, beschrieb ihn als umgänglich, unauffällig, geradezu bieder. Einer seiner früheren Nachbarn brachte es auf den Punkt: „Sie waren immer nett. Das haut mich komplett um – ich hätte das nie kommen sehen. Das ist ziemlich verrückt.“
Schwere Kriegsvorwürfe
Was die Ermittler ihm vorwerfen, ist alles andere als verrückt – es ist, wenn die Anschuldigungen zutreffen, von erschreckender Brutalität. Alukic soll 1992, im ersten Jahr des Bosnienkrieges, an schweren Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein. In einem der dokumentierten Fälle wird ihm vorgeworfen, gemeinsam mit anderen Paramilitärs ein Fahrzeug überfallen, auf den Fahrer geschossen und das Auto mitsamt der Leiche in Brand gesteckt zu haben.
In einem weiteren Fall soll er einen Angriff befehligt haben, bei dem zwei bewohnte Häuser mit Brandbomben attackiert wurden. Ein Polizist fand später in den Trümmern eines der Gebäude die verkohlten Überreste seines eigenen Vaters.
Unauffälliges Leben
Mehr als drei Jahrzehnte nach diesen mutmaßlichen Taten führte Alukic ein Leben, das kaum weiter von einem Kriegsverbrecherprofil entfernt sein könnte. In Wilmer verkaufte er Eier an einen Walmart, pflegte Nachbarschaftskontakte und hinterließ keinerlei Spuren, die auf eine Vergangenheit im Krieg hindeuteten – einem Krieg, dem schätzungsweise 100.000 Menschen zum Opfer fielen.
Nun sitzt er im Gefängnis des Baldwin County, ohne Möglichkeit auf Kaution.
Ihm droht die Auslieferung nach Bosnien, wo er sich für die gegen ihn erhobenen Vorwürfe verantworten müsste.