Ein dunkles Kapitel des Bosnienkrieges rückt ins Visier des österreichischen Parlaments – mit brisanten Fragen über mögliche Mittäterschaft.
Alma Zadic, ehemalige Justizministerin und derzeit Justizsprecherin der Grünen, hat eine parlamentarische Anfrage an Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) gerichtet. Darin fordert sie Aufklärung darüber, ob österreichische Staatsbürger im Zuge organisierter Touren während des Bosnienkrieges (1992–1995) an Angriffen auf Zivilisten beteiligt waren.
Sniper Alley
Im Fokus steht dabei unter anderem die sogenannte Sniper Alley im Zentrum Sarajevos, wo zahlreiche Menschen erschossen wurden.
Die Vorwürfe sind nicht neu: Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen einen 80-jährigen ehemaligen Lastkraftwagenfahrer aus der Provinz Pordenone eingeleitet und wirft ihm vor, gemeinsam mit anderen noch unbekannten Personen zwischen 1992 und 1995 wehrlose Zivilisten, darunter Frauen, ältere Menschen und Kinder, durch Schüsse aus Scharfschützengewehren von den Hügeln rund um Sarajevo getötet zu haben.
Laut Berichten des ehemaligen bosnischen Geheimdienstmitarbeiters Edin Subašić gab es bereits Ende 1993 Hinweise auf eine zweite Gruppe von Tätern: Westliche Touristen, die für ihren Waffeneinsatz zahlen mussten. Ein serbischer Freiwilliger hatte damals Angaben zu Ausländern gemacht, die nach Bosnien gekommen seien, um sich an der Gewaltorgie zu beteiligen.