Einsamkeit und Alkohol – was im Gehirn dabei passiert, zeigt eine neue Studie mit einem überraschenden Geschlechterunterschied.
Forschende der Northwestern University in Evanston haben einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und Alkoholkonsum bei Mäusen festgestellt: Männliche Tiere, die allein gehalten wurden, griffen deutlich häufiger zur Alkohollösung. Die Studie des Teams um Reesha Patel erschien am 25. August 2026 im renommierten Fachjournal „Nature Neuroscience“.
Neuronale Verbindungen
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand die neuronale Verbindung zwischen der Amygdala (Mandelkern, Hirnregion) und dem präfrontalen Kortex (Stirnhirn). Mithilfe sogenannter Miniscopes (miniaturisierte Mikroskope) verfolgten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Tiere in Echtzeit. Den Mäusen wurde sowohl Wasser als auch eine 15-prozentige Alkohollösung angeboten. Bei männlichen Tieren, die in Isolation lebten, zeigte sich eine deutlich erhöhte Aktivität in diesem Gehirnschaltkreis – verbunden mit einem merklich gestiegenen Alkoholkonsum.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Auffällig war das gegensätzliche Verhalten der weiblichen Tiere: Sie tranken bei Isolation weniger Alkohol als zuvor. Patel erläutert den Befund so: „Unsere Untersuchungen zeigen, dass ein bestimmter Signalweg während der Isolation überaktiv wird und direkt zu erhöhtem Alkoholkonsum führt, und dass Männchen und Weibchen in der Einsamkeit auf unterschiedliche neuronale Strategien zurückgreifen.“
Da der präfrontale Kortex auch beim Menschen eine zentrale Rolle spielt, könnten diese Erkenntnisse für die Erforschung menschlichen Alkoholismus von Bedeutung sein. Eine 2023 veröffentlichte gepoolte Analyse mit 17.808 Personen aus drei deutschen Kohortenstudien (KORA-FF4, GHS und SHIP) stützt diesen Befund: Einsame Männer neigen demnach häufiger zu riskantem Alkoholkonsum, während Frauen in vergleichbaren Situationen zurückhaltender trinken.