Häusliche Gewalt trifft alle – doch manche Gruppen bleiben besonders oft unsichtbar. Neue Maßnahmen sollen das jetzt ändern.
Frauen über 60 sind einer der am stärksten von häuslicher Gewalt betroffenen Bevölkerungsgruppen – und gleichzeitig jene, die am seltensten Hilfe suchen. Um dieser Lücke entgegenzuwirken, hat das Land Niederösterreich auf der Plattform „stopp-gewalt.at“ einen eigenen Informationsbereich eingerichtet, der gezielt über Warnsignale und verfügbare Beratungsangebote aufklärt. Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Betroffene selbst, sondern auch an ihr Umfeld – denn viele Frauen in dieser Altersgruppe sind darauf angewiesen, dass andere aufmerksam werden und handeln.
Breiter Schutzansatz
Die Maßnahmen gehen jedoch über diese Zielgruppe hinaus. Parallel dazu wurden die Informationen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt ausgebaut. Ergänzt wird das Angebot durch Hinweise auf die landesweite Aktion „NÖ sagt Nein zu K.O.-Tropfen“, die seit 2024 läuft und in deren Rahmen bereits über 8.700 Testbänder verteilt wurden, die den Wirkstoff GHB nachweisen und zusätzlichen Schutz im Alltag sowie im digitalen Raum schaffen sollen.
Auch Männer stehen im Fokus der neuen Initiativen. An Orten des Alltags – darunter Männer-WCs und Bushaltestellen – werden Plakate mit Notfallnummern platziert. Ziel ist es, Männer in belastenden Lebenssituationen frühzeitig zu erreichen und niederschwellig zur Inanspruchnahme von Hilfsangeboten zu ermutigen. Gleichzeitig enthält die Kampagne einen Appell, aktiv gegen Sexismus und Gewalt an Frauen einzutreten.
Gesellschaftlicher Auftrag
Ausgangspunkt für all diese Neuerungen war der Runde Tisch gegen Gewalt. Frauenlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister unterstreicht dabei die gesamtgesellschaftliche Dimension des Problems: „Weder Politik noch Polizei können Gewalt allein verhindern. Wir brauchen eine Gesellschaft, die hinsieht und handelt.“ Ausdrücklich angesprochen wird in diesem Zusammenhang auch die Gemeinschaft aus Südosteuropa – denn auch dort ist häusliche Gewalt vielfach ein Tabuthema, dem mit den neuen Angeboten aktiv begegnet werden soll.