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VORBILD AMSTERDAM

Erstes Balkanland will Marihuana-Konsum legalisieren

(FOTO: iStockphoto)

Am Balkan gibt es nun erste Bemühungen den Konsum von Cannabis auch für den Freizeitgebrauch zu legalisieren. Als Vorbild soll Amsterdam dienen.

Nordmazedonien könnte das erste Balkanland sein, das den Freizeitgebrauch von Marihuana erlaubt, sagte Premierminister Zoran Zaev am vergangenen Freitag und fügte hinzu, dass seine Regierung Amsterdam als Vorbild heranzieht. Man wolle also Marihuana in Cafés und Gaststätten in der Hauptstadt Skopje und in anderen touristischen Hotspots wie Ohrid, der Stadt am See, für den Freizeitgebrauch zulassen.

Er fügte hinzu, dass die Regierung eine strenge Regulierung in diesem Bereich vorsehe, wobei Amsterdam in den Niederlanden als Beispiel diene. Das Vorhaben sei laut Zaev ein Teil des geplanten Maßnahmenpakets der Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft, die von der Corona-Pandemie schwer getroffen wurde.

Die Entscheidung das Vorhaben auch tatsächlich in die Tat umzusetzen sei jedoch noch nicht endgültig getroffen, bekräftigte Zaev, der in den letzten zwei Jahren eine öffentliche Debatte zu diesem Thema versprochen hatte. Zudem betonte er, dass seine sozialdemokratische Regierung den Vorschlag zurückziehen werde, wenn die Mehrheit des Landes sich gegen die Legalisierung von Cannabis zum Freizeitkonsum ausspricht.

In Nordmazedonien wurde 2016, unter der rechtsgerichteten Regierung von VMRO DPMNE, der Verkauf von Marihuana für medizinische Zwecke in Apotheken legalisiert. Seitdem haben legale Marihuana-Produzenten ihre Arbeit aufgenommen. Jedoch unter großem Protest einiger Pro-Marihuana-NGOs, die behaupteten, dass das Gesetz so gestaltet wurde, dass Kleinunternehmer nicht in das Geschäft eintreten und nur größere Investoren profitieren können.

Das Land hat den Cannabiskonsum jedoch noch nicht vollständig entkriminalisiert. Am vergangenen Donnerstag sagte Justizminister Bojan Maričić, dass es gut sei, dass jetzt eine öffentliche Debatte über die vollständige Entkriminalisierung beginnt, in der Experten und der NGO-Sektor Meinungen austauschen könnten:

„Eine Qualitätsregulierung in diesem Bereich kann dem Land mehrere Vorteile bringen, wie die Regulierung des Marihuana-Handels, die Eindämmung der Kriminalität und natürlich die wirtschaftlichen Vorteile, vor allem im Tourismus- und Gastgewerbesektor“, so Maričić.

In anderen Teilen des Balkans hat etwa Kroatien Anfang dieses Jahres ein Gesetz zur vollständigen Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke und zu Erholungszwecken ausgearbeitet. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Phase der öffentlichen Debatte.

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