„Es wird keine kosovarisch-serbische Grenze auf ethnischen Linien geben“

BELGRAD-PRISHTINA

„Es wird keine kosovarisch-serbische Grenze auf ethnischen Linien geben“

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Hashim Thaci - Politco
(FOTO: Politico)

Die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo sind so hoch wie nie und der von die von der EU geführten Verhandlungen eingefroren. Auch wenn sich die beiden Länder schon viel näher waren, als dies heute der Fall ist, bleibt der kosovarische Präsident Hashim Thaçi optimistisch.

Gut waren die bilateralen Beziehungen zwischen Belgrad und Prishtina nie. Nichtsdestotrotz sorgte die enorme Zollerhöhung auf Waren aus Serbien und Bosnien-Herzegowina (KOSMO berichtete) für einen kompletten Stillstand des Dialoges rund um die Kosovo-Frage. Auch wenn kürzlich jene Produkte von Zöllen befreit wurden, die bereits vor der neuen Regelung Ende November importiert wurden, wurde das Stillschweigen zwischen Serbien und Kosovo nicht gebrochen.

Der kosovarische Präsident Hashim Thaçi äußerte sich hierzu im Interview für „Kurier.at“: „Kosovo war gezwungen, in der einen oder anderen Form solche Maßnahmen zu unternehmen. Wir werden alles versuchen, den Dialog nicht zu erschweren.“ Gleichzeitig dürfe jedoch Serbien keine Bedingungen für die Weiterführung des Dialoges stellen.

Abkommen noch heuer? „Es wird schwierig“
Auf die Frage, ob ein Abkommen zwischen Serbien und Kosovo noch heuer zustande kommen wird, antwortete Thaçi, dass es sehr schwierig werde, jedoch nicht unmöglich sei. „Ein Abkommen zwischen Serbien und Kosovo ist absolut notwendig. Es soll nie wieder Krieg zwischen Albanern und Serben geben“, fügte er hinzu.

Allerdings betonte der kosovarische Präsident, dass es kein Abkommen geben werde, in welchem Kosovo nicht als Staat akzeptiert. Ebenso verlangt er einen UNO-Sitz, da alles andere „keine Bedeutung“ hätte. Das Abkommen zwischen Serbien und Kosovo müsse, seiner Meinung nach, zudem von der EU, den USA und Russland akzeptiert werden, da dies erst dann eine globale Unterstützung für die Republik Kosovo bedeuten würde.

Grenzverschiebungen und Gebietstausch
Im August vergangenen Jahres betonte der serbische Präsident Aleksandar Vučić, dass die Lösung des Kosovo-Konflikts eine „klare Abgrenzung zwischen Serben und Albanern“ brauche. (KOSMO berichtete)

Kurz darauf war ein Gebietstausch zwischen den beiden Streitparteien ganz groß im Gespräch. Im Detail war von der Zuschlagung des mehrheitlich von Serben bewohnten Nord-Kosovos zu Serbien die Rede. Im Gegenzug würde die Region rund um die südserbische Stadt Preševo, die mehrheitlich über albanische Einwohner verfügt, an den Kosovo angegliedert werden. Hashim Thaçi schien damals von dieser Lösung angetan. (KOSMO berichtete)

Im „Kurier“-Interview scheint der kosovarische Präsident jedoch von dieser Idee abgewichen zu sein: „Es wird keine Grenze auf ethnischen Linien geben. Beide Länder werden multiethnisch bleiben. Es wird multiethnischer und europäischer Geist herrschen. Wir wollen offene Grenzen, freien Handel. Keine klassischen Grenzen wie bisher“, betonte der kosovarische Präsident.

(QUELLE: Kurier.at, 21.1.2019)