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Landwirtschaftskrise

EU-Mercosur-Beben: Südamerika-Fleisch bald auf unseren Tellern

EU-Mercosur-Beben: Südamerika-Fleisch bald auf unseren Tellern
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4 Min. Lesezeit |

Während Wirtschaftsexperten jubeln, wächst die Sorge heimischer Landwirte: Das EU-Mercosur-Abkommen steht kurz vor dem Abschluss und bringt südamerikanische Lebensmittel auf europäische Teller.

Nach 25-jährigen Verhandlungen steht das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vor dem Abschluss. Die Unterzeichnung ist für Montag angesetzt. Das Abkommen ermöglicht den Import festgelegter Mengen südamerikanischer Lebensmittel zu reduzierten Zollsätzen in die EU.

Scharfe Kritik

Besonders aus dem Agrarsektor kommt scharfe Kritik – auch in Österreich. Kleinbäuerliche Betriebe sehen sich im Preiskampf gegen günstigere Importware benachteiligt. „Die österreichischen Bäuerinnen und Bauern fürchten einmal mehr um ihre Zukunft“, erklärt Hannes Royer, Gründer von Land schafft Leben. „Wenn beim Lebensmitteleinkauf der Preis der einzig wichtige Faktor ist, steht es schlecht um unsere Landwirtschaft. Österreich wird es niemals zum billigsten Preis geben, das geht sich mit unseren hohen Produktionsstandards nicht aus. Wir können unseren Bäuerinnen und Bauern nicht eine Auflage nach der anderen erteilen und gleichzeitig billiger produzierte Lebensmittel aus dem Ausland importieren.“

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Bedrohte Produktion

Besonders problematisch erscheinen die Bereiche Rindfleisch und Zucker. Die heimische Rindfleischproduktion unterliegt strengen Tierwohlstandards und weist den geringsten CO₂-Fußabdruck in der EU auf. Auch im Ackerbau gelten strenge Pflanzenschutzmittelauflagen, was die Zuckerrübenproduktion erschwert und verteuert. Südamerikanische Produkte können dagegen oft kostengünstiger angeboten werden. Royer warnt: „Das argentinische Steak wird uns nicht im Kühlregal im Supermarkt begegnen, sondern oft anonym auf dem Teller im Restaurant. Der brasilianische Zucker versteckt sich häufig in verarbeiteten Produkten. Das verdeutlicht einmal mehr, was längst überfällig ist: Wir brauchen eine durchgängige, verpflichtende Herkunftskennzeichnung.“

Maria Fanninger, Mitgründerin von Land schafft Leben, betont: „Es ist wichtig, Handelsbeziehungen einzugehen, aber das heißt nicht, dass unsere hochwertige österreichische Produktion darunter leiden darf.“ Sie appelliert an Verbraucher und Gastronomiebetriebe, die Konsequenzen ihrer Kaufentscheidungen zu bedenken: „Jedes Mal, wenn wir uns für Fleisch oder Zucker aus dem Ausland entscheiden, tun wir das auf Kosten unserer Landwirtschaft, unseres Lebensraumes, der Umwelt, von Mensch und Tier. Gerade jetzt, wenn Lebensmittel aus Südamerika zu reduzierten Zöllen oder gänzlich zollfrei in die EU importiert werden können, macht es einen großen Unterschied, wenn man bewusst zu heimischer Ware greift. Davon hängt die Zukunft unserer österreichischen Bauernhöfe und somit unserer Versorgungssicherheit ab.“ Der Selbstversorgungsgrad bei Rind- und Kalbfleisch liegt in Österreich bei etwa 150 Prozent – Importe wären demnach nicht erforderlich.

Unterschiedliche Standards

Um die Bedenken europäischer Landwirte hinsichtlich eines verstärkten Preisdrucks zu verringern, enthält das Abkommen Beschränkungen für sensible landwirtschaftliche Erzeugnisse. Für Rindfleisch sind zwei zusätzliche Kontingente von insgesamt 99.000 Tonnen zu vergünstigten Zollsätzen vorgesehen. Diese Importmenge entspricht laut WIFO etwa 1,5 Prozent der EU-Produktion. Dennoch gilt: Selbst geringe Importmengen aus den Mercosur-Staaten können den europäischen Markt und damit die nationale Preisentwicklung beeinflussen.

Die Produktionsstandards in Südamerika sind in Bereichen wie Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz sowie Arbeitsbedingungen meist weniger streng als in Österreich. Das Handelsabkommen sieht jedoch vor, dass die Produkteigenschaften der importierten Lebensmittel EU-Standards entsprechen müssen – etwa bezüglich Rückstands-Grenzwerten von Medikamenten oder Pflanzenschutzmitteln sowie dem Verbot von Hormonen in der Rindermast. Stark kritisiert werden zudem die großflächigen Rodungen südamerikanischer Regenwälder, die negative Auswirkungen auf Biodiversität und Klima haben.

Das Handelsabkommen bietet nicht nur anderen Wirtschaftssektoren, sondern auch innerhalb der Agrarbranche Vorteile. Der erleichterte Export von Wein und anderen Spezialitäten in die Mercosur-Staaten eröffnet neue Marktchancen und kann Absatz und Preisentwicklung positiv beeinflussen. Geografische Herkunftsbezeichnungen der EU werden vor Nachahmung geschützt – darunter 13 österreichische Spezialitäten wie Tiroler Speck oder Steirisches Kürbiskernöl.

Viele Wirtschaftsexperten befürworten das Abkommen und betonen, dass stabile Handelsbeziehungen in Zeiten wachsender globaler Unsicherheiten die Grundlage für Wohlstand und Sicherheit bilden.