Ein beschädigtes Triebwerk, ein herausgerissenes Fenster – und ein Mann, der nur knapp überlebte. Nun bereitet er den juristischen Gegenschlag vor.
Ljubisa Karovic wäre beinahe aus einem Flugzeug der Ryanair-Gruppe gerissen worden – ein Vorfall, der weltweit für Schlagzeilen sorgte und nun auch juristische Folgen haben könnte. Der serbische Staatsbürger bereitet nach Angaben des Portals Telegraf.rs Klagen gegen Ryanair, den US-Flugzeughersteller Boeing sowie General Electric vor.
Der betroffene Flug mit der Nummer FR1879 wurde von Malta Air, einer Tochtergesellschaft der Ryanair-Gruppe, durchgeführt. Beim Flugzeug handelte es sich um eine Boeing 737-800. Das beschädigte CFM56-Triebwerk stammt von CFM International, einem Gemeinschaftsunternehmen von GE Aerospace und dem französischen Konzern Safran.
Klagen in Vorbereitung
Wie Telegraf.rs berichtet, hat Karovic gemeinsam mit seinem Rechtsteam unter der Leitung des griechischen Anwalts Vasilis Cijaras zusätzlich eine auf Flugunfälle spezialisierte US-Anwaltskanzlei eingeschaltet. Nach Angaben des Portals sollen mögliche Verfahren gegen Boeing und General Electric in den Vereinigten Staaten geführt werden.
Ob die Klage gegen Ryanair beziehungsweise die Ryanair-Tochter Malta Air in Griechenland oder ebenfalls in den Vereinigten Staaten eingebracht wird, ist demnach noch offen. Öffentlich bekannte Klageschriften oder Aktenzeichen liegen bislang nicht vor. Die juristischen Schritte befinden sich somit noch in Vorbereitung.
Karovic könnte ein langwieriger Kampf um Schadenersatz bevorstehen – sowohl für die körperlichen als auch für die psychischen Folgen des Vorfalls. Laut Telegraf.rs verbessert sich sein Gesundheitszustand schrittweise. Die Verletzungen an Händen und Schultern seien weitgehend verheilt, während die Nackenschmerzen weiterhin anhalten.
Auch die psychischen Nachwirkungen sollen noch deutlich spürbar sein. Die technische Untersuchung des Vorfalls ist ebenfalls noch nicht abgeschlossen, weshalb bislang keine endgültigen Aussagen zur Ursache getroffen werden können.
Der Vorfall im Juli
Der Zwischenfall ereignete sich am 10. Juli 2026 auf einem Flug von Thessaloniki nach Memmingen. Karovic war gemeinsam mit seiner Frau Svetlana auf dem Weg nach Deutschland, wo das Paar an einer Geburtstagsfeier teilnehmen wollte.
Kurz nach dem Start wurde das Triebwerk schwer beschädigt. Trümmerteile trafen die Flugzeugkabine und rissen das Fenster direkt neben Karovics Sitzplatz heraus. Durch den plötzlichen Druckabfall wurde sein Oberkörper teilweise durch die Fensteröffnung nach außen gezogen.
Der ordnungsgemäß angelegte Sicherheitsgurt sowie die schnelle Reaktion mehrerer Mitreisender verhinderten offenbar Schlimmeres. Passagiere hielten Karovic fest und zogen ihn zurück in die Kabine. Nach der Notlandung in Thessaloniki wurde er in ein Krankenhaus gebracht und medizinisch versorgt.
Ursache weiterhin ungeklärt
Die technische Sicherheitsuntersuchung wird von der US-Unfalluntersuchungsbehörde National Transportation Safety Board geführt. Die zuständige griechische Untersuchungsbehörde übertrug das Verfahren nach den internationalen Regeln der Zivilluftfahrt an die NTSB. Griechische Behörden sind weiterhin an der Untersuchung beteiligt.
Ryanair-Chef Michael O’Leary erklärte nach dem Vorfall, erste Hinweise könnten darauf hindeuten, dass ein Fremdkörper das Triebwerk beim Start in Thessaloniki beschädigt habe. Die NTSB betonte jedoch, dass bislang keine Ursache endgültig festgestellt worden sei.
Auch mögliche Faktoren wie der technische Zustand, das Alter und die Wartung des Flugzeugs seien weiterhin Gegenstand der Untersuchung. Wann die Ermittlungen abgeschlossen und mögliche Klagen tatsächlich eingebracht werden, ist derzeit noch offen.