Ein Gebirge zwischen Iran, Irak und Türkei entpuppt sich als Schmelztiegel der Menschheitsgeschichte – hier trafen Homo sapiens und Neandertaler aufeinander.
Die Vermischung zwischen Homo sapiens und Neandertalern gilt in der Wissenschaft längst als gesicherte Erkenntnis. Nun haben Forscher erstmals den geografischen Hotspot dieser folgenreichen Begegnung lokalisiert. Eine detaillierte Analyse der Verbreitungsgebiete beider Hominiden-Arten während des späten Pleistozäns (Eiszeitalter vor etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahren) führte zu einer klaren Erkenntnis: Das Zagros-Gebirge – jene markante Gebirgskette, die sich heute über den Iran, den Nordirak und die südöstliche Türkei erstreckt – war der zentrale Schauplatz dieser evolutionsgeschichtlich bedeutsamen Begegnung.
Die Region bot ideale Voraussetzungen für das Zusammentreffen der beiden Menschenarten. Mit ihrer reichen Biodiversität und einer für größere Populationen günstigen Landschaftsstruktur diente die Zagros-Region als regelrechter Schmelztiegel. Besonders nach den klimatischen Veränderungen des Pleistozäns entwickelte sich das Gebiet zu einem wichtigen Migrationskorridor für verschiedene Bevölkerungsgruppen.
Diese Erkenntnisse decken sich perfekt mit dem archäologischen Befund – die Region ist gespickt mit Fundstätten, an denen sowohl Überreste von Neandertalern als auch von frühen Homo sapiens nachgewiesen wurden.
Genetisches Erbe
Die genetischen Spuren dieser prähistorischen Begegnung sind bis heute in unserem Erbgut nachweisbar. Der wissenschaftliche Durchbruch gelang 2010, als Forscher erstmals das vollständige Neandertaler-Genom entschlüsselten und dabei die genetische Vermischung zweifelsfrei nachweisen konnten. Weitere Untersuchungen zeigten, dass zwischen ein und vier Prozent des Genoms aller nicht-afrikanischen Menschen Neandertaler-Erbgut enthalten.
Diese genetischen Fragmente beeinflussen noch heute zahlreiche Aspekte unseres Lebens – von markanten Nasenformen und erhöhter Schmerztoleranz bis hin zu einer gesteigerten Anfälligkeit für COVID-19-Erkrankungen und Depressionen.
Während frühere Studien vor allem die zeitliche Dimension dieser Vermischung untersuchten, liefert die aktuelle Forschung nun erstmals präzise Erkenntnisse zum geografischen Ort des Geschehens.
Die Ergebnisse wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.