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DEUTSCHLAND

Häftlinge gehen nach Entlassung freiwillig zurück ins Gefängnis

Gefängnisausbruch
(FOTO: iStock)

Sie können eigentlich auf freiem Fuß leben und die Gefängniszelle hinter sich lassen. Trotzdem haben sich zehn ehemalige Häftlinge in Niedersachen in Deutschland im vergangenen Jahr freiwillig einsperren lassen. Die Gründe sind vielfältig.

Wie ein Sprecher des Justizministeriums in Hannover erläuterte, wollten sich zehn ehemalige Häftlinge freiwillig einsperren lassen. Einem fehlte eine Wohnmöglichkeit für das Leben in Freiheit, bei anderen gab es Alkoholrückfälle, weshalb sie Angst hatten, erneut Straftaten zu begehen.

Vor zwei Jahren gab es 14 Fälle, in denen Häftlinge in Niedersachsen freiwillig im Gefängnis blieben oder dorthin zurückkehrten – meist aber nur für einige Wochen, schreibt die „WELT“. „Eine Statistik dazu, wie viel Straftaten verübt werden, um ins Gefängnis zu kommen, gibt es nicht“, sagte der Ministeriumssprecher. Wenn ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft gefährdet sei oder dadurch neue Straftaten verhindert werden könnten, hätte man die Möglichkeit, freiwillig wieder in einer Justizvollzugsanstalt aufgenommen zu werden.

Sozialarbeiter Peter Homsen kennt die Probleme der Betroffenen. Auch wenn ein Gefängnisaufenthalt für viele wie ein Albtraum klingt, so ist es für manche doch eine echte Alternative. „Das Leben auf der Straße ist sehr teuer“, sagt Thomson über Menschen in einer sozialen Notlage und Obdachlose, die manchmal geringfügige „Eierdiebstähle“ beginnen, um über die Runden zu kommen.

„Das Gefängnis ist auch ein Schutzraum“, sagte Homsen. Aufstehen um 6 Uhr, Frühstück um sieben, Arbeiten von 8 bis 16 Uhr – ein solche Tagesablauf ist eine Alternative zum Leben in Armut oder auf der Straße. Dazu gibt es auch Betroffene, die eine Geldstrafe nicht zahlen könnten oder wollten, und so gehens sie freiwillig ins Gefängnis.