Ein verstecktes Dokument, ein Mitinsasse und ein Gerichtsurteil: Der Fall Epstein enthüllt ein weiteres düsteres Kapitel.
Ein Gericht in New York hat ein Dokument öffentlich zugänglich gemacht, das als mutmaßlicher Abschiedsbrief des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gilt. Das Schreiben war bislang nicht Bestandteil der Ermittlungen des US-Justizministeriums. Entdeckt wurde es von einem Mitinsassen Epsteins – versteckt in einem Comic-Roman – nachdem Epstein im Juli 2019 einen ersten mutmaßlichen Suizidversuch unternommen hatte.
Der Zellengenosse übergab das Dokument seinen Anwälten, um sich gegen den Vorwurf zu wehren, er habe Epstein tätlich angegriffen. Das berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf den Mitinsassen.
Inhalt des Briefes
Der Inhalt des Schreibens ist in weiten Teilen in Großbuchstaben gehalten. Darin heißt es unter anderem: „Sie haben monatelang gegen mich ermittelt – UND NICHTS GEFUNDEN!!!“. Als Schlussfolgerung folgt der Satz: „KEIN SPASS“ – die einzigen im gesamten Dokument unterstrichenen Wörter.
An anderer Stelle findet sich der Ausruf: „LOHNT SICH NICHT!!“. Weder trägt das Schreiben eine Unterschrift, noch wird darin Epsteins Name genannt. Es enthält außerdem die Formulierung, es sei „ein Privileg, sich den Zeitpunkt für den Abschied selbst aussuchen zu können“.
A US court has released what is believed to be Jeffrey Epstein’s suicide note, Bloomberg reports
According to Epstein’s former cellmate, he found it hidden inside a book.
“They questioned me for a month — found nothing! It’s amazing to be able to choose your own time to say… pic.twitter.com/2TFAKWrhzt
— NEXTA (@nexta_tv) May 7, 2026
Epstein nahm sich 2019 während seiner Untersuchungshaft das Leben. Ihm wurde vorgeworfen, über Jahre hinweg zahlreiche junge Frauen und Minderjährige sexuell missbraucht und teilweise an Bekannte weitergereicht zu haben. Der Multimillionär pflegte weitreichende Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Wiener Opfer
Wie der ORF am Mittwoch berichtete, zählt nach eigenen Recherchen auch eine Frau aus Wien zu den Hunderten Opfern Epsteins. Die Wienerin soll über mehrere Jahre engen Kontakt zu dem Amerikaner gehabt haben. Gegenüber dem ORF schilderte sie, zwischen 2011 und 2013 „verbal und physisch“ missbraucht worden zu sein.
Laut den Recherchen habe Epstein zunehmend Druck auf sie ausgeübt, damit auch sie Mädchen und junge Frauen für ihn anwerbe – ein Muster, das er offenbar systematisch anwandte. Die Entscheidung des US-Justizministeriums, Epsteins Akten zu veröffentlichen und dabei zahlreiche Identitäten von Betroffenen preiszugeben, hat bei der Wienerin zu einer Retraumatisierung geführt. Viele Opfer haben deshalb bereits rechtliche Schritte eingeleitet und eine Sammelklage gegen die US-Regierung eingebracht.