Ivona Dadić: „Der Glaube gibt mir Kraft!“

INTERVIEW

Ivona Dadić: „Der Glaube gibt mir Kraft!“

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Ivona Dadic
FOTO: Christopher Glanzl

Ivona Dadić (24) wurde in den letzten Jahren zur Vorzeige-Leichtathletin Österreichs.

Die in Wels 1993 geborene Kroatin holte bei der EM 2016 in Amsterdam Bronze im Siebenkampf. Danach folgten 2017 Silber im Fünfkampf bei der EM sowie erneut Silber bei der Hallen-WM in Birmingham dieses Jahr. Wenn sie von der Zukunft spricht, gibt es vor allem ein Thema: die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Dort will sie Geschichte schreiben…

Wir trafen die hübsche Kroatin gestern im Wiener „Bounce“, dem Boxclub von Marcos Nader und seinem Bruder Daniel. Dort kam sie zu ihrem ersten Box-Training mit Marcos Nader, den am Samstag der große Kampf um den österreichischen Staatsmeistertitel in der Erste Bank Arena erwartet.

Dadic Nader
Dadic und Nader trainieren zusammen. (FOTO: Christopher Glanzl)

KOSMO: Wie hat dir das Box-Training mit Marcos gefallen?
Dadić:
Ich würde es auf jeden Fall bei Zeiten wiederholen. Boxen ist vor allem dadurch interessant, dass der ganze Körper beansprucht wird und man hier viel im Umgang mit dem eigenen Körper lernen kann. Als ich schneller mit den Fäusten zuschlagen musste, wurde es wesentlich anstrengender – aber dazu ist ja ein Box-Training auch da.

Bei der EM in Berlin im August hast du im Siebenkampf knapp die Bronze verpasst. Andererseits hast du dort einen neuen österreichischen Rekord aufgestellt. Wie gehst du heute damit um, wenn du an die EM zurückdenkst?
Ich nehme das Positive mit und das ist auf jeden Fall der neue österreichische Rekord. Keine Frage, dass ich die Medaille nicht geholt hab war bitter, aber die Konkurrenz in Europa ist unglaublich stark. Wenn es bei den Olympischen Spielen gewesen wäre, wäre die Konkurrenz nicht viel schwieriger und es käme nur eine starke Amerikanerin dazu. Ich beweise seit 1 1/2 Jahren regelmäßig, dass mein Niveau konstant und stark genug ist, um Medaillen zu holen. Es schaut sehr gut aus, wenn ich an Tokio 2020 denke. Eine olympische Medaille ist das Ziel.

Welche – die goldene, silberne oder die bronzene? (lacht)
Wenn ich aussuchen darf – Gold, eh klar! Aber jede Medaille bei Olympia wäre ein Wahnsinnserfolg für mich.

Vor Tokio 2020 kommt aber noch einiges. Was sind die näheren Ziele?
Ich werde bei der Hallen-EM im März in Glasgow teilnehmen. Ebenso bin ich bei der Freiluft-WM in Doha dabei. Eine Medaille zu holen – noch vor Tokio – ist das Ziel. Dann wäre die Vorbereitung für Olympia optimal.

Dadic
FOTO: Christopher Glanzl

Kommst du aus einer Sportlerfamilie wie z.B. die Leichtathletin Blanka Vlašić – oder wer hat dein Talent entdeckt?
Den guten, sportlichen Körperbau hab ich definitiv vom Papa, aber nein – ich komme nicht aus einer Sportlerfamilie. Mein erster Trainer Michael Hager vom PSV Wels hat mich entdeckt und vom neunten bis zum fünfzehnten Lebensjahr trainiert. Danach ging es nach Linz, wo ich unter die Fittiche von Wolfgang Adler kam. Blanka habe ich leider noch nicht nicht kennengelernt, wir haben uns zweimal in Split knapp verpasst, auch als ich auf Trainersuche war und mit ihrem Trainer trainierte. Dafür kenne ich aber die mehrfache Olympiasiegerin und Diskuswerferin Sandra Perković. Die hat definitiv im Boxen eine bessere Rechte als ich (lacht).

Wie lang kennst Du Sandra Perković?
Wir haben uns bei den Olympischen Spielen in London 2012 kennengelernt und kurz gequatscht. Danach sahen wir uns wieder in Rio, wo wir länger ins Gespräch kamen. Wir hören uns ab und zu über Social Media. Sandra ist eine tolle Persönlichkeit.

Am Handgelenk hast du ein Kreuz und den Namen deines verstorbenen Bruders Ivan tätowiert. Wie wichtig ist dir der Glaube?
Ich bin religiös erzogen worden und der Glaube gibt mir viel Kraft, ebenso wie die Familie, die für mich das Allerwichtigste ist. Jedes Wochenende fahre ich nach Oberösterreich aus St. Pölten, um meine Familie zu sehen. Das Tattoo soll mich erinnern, dass mein älterer Bruder immer bei mir ist und mich beschützt.

Wie oft bist du in Kroatien?
Dreimal im Jahr besuche ich meine Großeltern. Zu Weihnachten bin ich wieder dort.

Wieso lebst du aktuell in St. Pölten? Hast du dort die besten Trainingsbedingungen oder…?
Ich habe meine zwei Trainer dort, meinen Klub Union St. Pölten und trete auch als Leichtathletin für Niederösterreich auf. Das Gute an St. Pölten ist: ich brauche nur 45 Minuten in die Südstadt und nur eine Stunde nach Linz, wenn ich dort Trainings habe. Meistens bin ich aber von Montag bis Freitag in St. Pölten und fahre am Wochenende nach Oberösterreich zur Familie.