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Segelprojekt

Jeder ist wertvoll“: Kroatiens bewegendes Jugendprojekt auf hoher See

Jeder ist wertvoll“: Kroatiens bewegendes Jugendprojekt auf hoher See
FOTO: Friedensflotte Mirno Mare
3 Min. Lesezeit |

Auf den Wellen der Adria entsteht ein besonderes Gemeinschaftsgefühl: Die Friedensflotte „Mirno more“ bringt benachteiligte Jugendliche zusammen, die auf hoher See Grenzen überwinden.

In Kroatien nimmt bald das weltweit größte Segelprojekt für benachteiligte Jugendliche Fahrt auf. Auch zahlreiche österreichische Teilnehmer werden Teil dieser besonderen Initiative sein, die auf Völkerverständigung über alle Grenzen hinweg setzt. Mit über 1000 Teilnehmern und rund 110 Schiffen gilt das Projekt als das größte sozialpädagogische Segelprojekt für benachteiligte junge Menschen weltweit.

Der kroatische Gruß „Mirno more“ – zu Deutsch „friedliches Meer“ – steht symbolisch für die Grundidee dieses außergewöhnlichen Projekts. Seit seiner Gründung 1994 bringt die Friedensflotte jährlich Kinder und Jugendliche zusammen, deren Lebenswege sonst kaum Berührungspunkte hätten: Flüchtlingskinder, Kriegswaisen, junge Menschen mit Behinderungen oder schweren Erkrankungen sowie Heranwachsende mit psychosozialen Belastungen. 2025 feiert die Initiative ihr 30-jähriges Bestehen und wird mittlerweile von Organisationen aus mehr als 20 Nationen unterstützt.

Morgendämmerung an der dalmatinischen Küste. Überall herrscht geschäftiges Treiben: Seile werden gelöst, Segel vorbereitet, Verpflegung an Bord gebracht. Dazwischen tummeln sich Kinder und Jugendliche, die erste Seemannsknoten üben, lachen und rufen. Ein vielsprachiges Durcheinander aus Kroatisch, Deutsch, Slowenisch und Ukrainisch erfüllt die Luft. Noch kennen sie einander kaum, doch schon bald werden sie als eingeschworene Crew gemeinsam die See befahren – willkommen bei der Friedensflotte mirno more, dem größten Segelprojekt weltweit für sozial benachteiligte junge Menschen.

Vom 13. bis 20. September 2025 verbringen die Teilnehmer eine Woche miteinander, teilen Kabinen, Segelerlebnisse und Abenteuer – und knüpfen oft Freundschaften, die ein Leben lang halten. „Ob Navigieren, Segelsetzen oder der Abwasch nach dem Essen – jeder Handgriff zählt“, erklärt Skipper Christoph Plessl. Auf einem Schiff gibt es eben keine Zuschauer.

Gemeinsam an Bord

Besonders deutlich wird dieser Gemeinschaftsgeist auf den Booten, die von Organisationen wie MPS Austria betreut werden. Der Verein unterstützt Familien mit Kindern, die an der seltenen Stoffwechselerkrankung Mukopolysaccharidose (MPS) leiden. Eine Teilnehmerin ist Maria Prahofer. „Ich liebe die Gemeinschaft an Bord“, sagt sie. „Wir helfen uns gegenseitig, und jeder ist ein wertvolles Crew-Mitglied – egal, was er kann oder nicht kann.“

Wenn die Boote abends in einer Bucht ankern, wandelt sich die Atmosphäre. Das Mondlicht spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, während die Crews auf den Decks zusammensitzen. Einige musizieren auf Gitarren, andere tauschen Lebensgeschichten aus. Neben dem gemeinsamen Segeln stehen auch inklusive Bildungsprogramme auf dem Programm, die das Verständnis füreinander fördern.

„Körperliche Schmerzen kann diese Woche leider auch nicht lindern, aber die Seele hat wieder Zeit, sich zu erholen.“ Maria Prahofer

Freiwilliges Engagement

Manche Jugendliche berichten von ihrer Flucht, andere von Krankheiten oder dem Verlust von Eltern. Doch im Mittelpunkt stehen nicht die Unterschiede, sondern das Verbindende: Vertrauen, Nähe und Hoffnung. „Schaut man sich diese Crews an, dann sieht man, worum es geht“, resümiert Plessl.

Das Projekt wird vollständig von Freiwilligen getragen: Skipper, Pädagogen und Sicherheitsteams engagieren sich unentgeltlich. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden, Förderungen und Sponsoren. Das internationale Netzwerk von Partnervereinen sorgt für eine stabile Basis und kontinuierliche Weiterentwicklung des Projekts.

Der Erfolg spricht für sich: In über drei Jahrzehnten konnten tausende junge Menschen teilnehmen – und ein Ende ist nicht abzusehen!