Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Gewalt

Jugendliche prügeln 18-Jährigen fast zu Tode – und filmen alles

Jugendliche prügeln 18-Jährigen fast zu Tode – und filmen alles
Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Ein 18-Jähriger kämpft um sein Leben – zurückgelassen von einer Gruppe, die Gewalt als Mutprobe verstand.

Was sich im Vogelweidpark in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus abspielte, ist kaum in Worte zu fassen: Ein 18-Jähriger liegt blutend am Boden, fleht seine Angreifer an aufzuhören – vergeblich. Einer versetzt ihm einen Ellbogenstoß ins Gesicht, ein anderer würgt ihn so lange, bis er das Bewusstsein verliert. Die Richterin beschrieb den Zustand des Opfers in der Verhandlung ohne Umschweife: Nahezu jeder Knochen im Gesicht des jungen Mannes sei gebrochen gewesen.

Was die Tat noch schwerer wiegt: Die Täter ließen den Schwerverletzten einfach zurück. Nur weil ein Passant den Notruf wählte und die Rettung verständigte, überlebte der 18-Jährige.

Prozess in Wien

Am Mittwoch standen mehrere Mitglieder einer neunköpfigen Jugendgruppe vor dem Wiener Landesgericht. Die Angeklagten sind zwischen 14 und 18 Jahre alt; gegen einen 15-Jährigen wurde sogar wegen Mordverdachts ermittelt. Ausgelöst wurde die Attacke durch eine Beleidigung.

Mehr zum ThemaNach Autobahnblockade auf A2: Erstes Urteil gegen Klima-Kleber gefallen⇢

„Ich habe einfach zugeschlagen“, räumte ein 16-Jähriger vor Gericht ein. Andere filmten die rund vierminütige Gewalttat und beteiligten sich ebenfalls daran. Die Frage nach dem Warum beantworteten die Jugendlichen erschreckend offen: Man habe sich gegenüber der Gruppe beweisen wollen.

Weitere Angriffe

Dabei blieb es nicht bei diesem einen Vorfall. Laut Anklage soll die Gruppe weitere Personen angegriffen haben – unter anderem Obdachlose im Bereich des Westbahnhofs in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. Darüber hinaus sollen sich einzelne Mitglieder über einen Gruppenchat zu sogenannten „Pädo-Jagden“ verabredet haben. Die Staatsanwältin stellte klar, dass keines der dabei ins Visier genommenen Opfer tatsächlich pädophil gewesen sei.

Die verhängten Strafen fielen vergleichsweise gering aus: Mehrere Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen acht und 18 Monaten verurteilt, ein Teil davon bedingt. In Untersuchungshaft muss vorerst niemand bleiben – die bereits verbüßte U-Haft wurde auf die Strafe angerechnet.

Für weitere Beschuldigte wird der Prozess Anfang April fortgesetzt.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen