Vier Kinder, Kälte, Zwang und tägliche Betteleinsätze – in Sarajevo steht ein erschütternder Fall von Menschenhandel vor Gericht.
Vier Kinder sollen im Laufe des Jahres 2025 und zu Beginn des Jahres 2026 von mehreren Erwachsenen in Sarajevo zum Betteln gezwungen worden sein. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Sarajevo hat nun Anklage erhoben – die Beschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft.
Laut Anklageschrift wurden die Minderjährigen an verschiedenen Orten in der bosnischen Hauptstadt eingesetzt, um täglich bis zu 50 Konvertible Mark einzutreiben. Das gesammelte Geld sollen die Angeklagten zur Gänze an sich genommen haben. Wer nicht gehorchte, dem wurde gedroht – körperliche Bestrafungen waren demnach keine Ausnahme.
Kinder in Schutzhaus
Die Kinder, die als Opfer von Menschenhandel eingestuft werden, sind inzwischen in einem Schutzhaus untergebracht. Ihren Alltag vor der Befreiung beschreibt die Anklageschrift in düsteren Zügen: Die Minderjährigen waren regelmäßig schlechten Witterungsverhältnissen ausgesetzt, besuchten keine Schule und mussten sich ihr Essen häufig selbst beschaffen.
Umfangreiche Beweislage
Für die Hauptverhandlung hat die zuständige Staatsanwältin die Einvernahme von elf Zeugen und fünf Sachverständigen beantragt sowie die Vorlage von mehr als 30 Beweisstücken angekündigt. Angaben zur Identität der Angeklagten machte die Behörde bewusst keine: „Aufgrund des Schutzes der minderjährigen Kinder und der Sensibilität des Falls kann die Staatsanwaltschaft die Identität der Angeklagten und andere Daten, die zur Identifizierung führen könnten, nicht veröffentlichen“, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft des Kantons Sarajevo.