Ein weiterer Schlaganfall, kaum Kommunikation, kein Rollstuhl mehr: Der Zustand des verurteilten Kriegsverbrechers ist dramatisch.
Ratko Mladic, der frühere Oberkommandierende der Armee der Republika Srpska (bosnisch-serbische Teilrepublik), wurde 2017 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil erlangte 2021 Rechtskraft. Seit 2024 ist Mladic im Haftkrankenhaus in Den Haag untergebracht.
Im Laufe seiner Inhaftierung wurde er wiederholt stationär behandelt und mehreren medizinischen Eingriffen unterzogen, darunter Operationen am Herzen und am Bein. Darüber hinaus erlitt er mehrere Schlaganfälle und leidet an schwerwiegenden kardiovaskulären Erkrankungen, Bluthochdruck, neurologischen Schäden sowie Nierenproblemen.
Freilassungsanträge gescheitert
Der Internationale Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe (MICT, UN-Nachfolgebehörde für Kriegsverbrechertribunale) in Den Haag wies im November 2025 einen Antrag auf vorübergehende Freilassung ab, der es Mladic ermöglicht hätte, für sieben Tage an einer Gedenkfeier für ein verstorbenes Familienmitglied teilzunehmen. Bereits im Juli desselben Jahres hatte das Gericht einen Antrag auf humanitäre Freilassung – ob vorübergehend oder dauerhaft – zurückgewiesen.
Im Dezember 2025 sprach der serbische Vizeminister für Justiz, Branislav Stojanovic, vor dem UN-Sicherheitsrat in New York über Mladics angegriffenen Gesundheitszustand und versicherte, Serbien sei bereit, alle erforderlichen Garantien für eine vorzeitige Entlassung zu übernehmen.
Neuer Schlaganfall
Nun hat Mladic einen weiteren Schlaganfall erlitten. Sein Sohn Darko Mladic erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Srna, sein Vater befinde sich in einem sehr ernsten Zustand. Wie N1 berichtet, wartet Darko Mladic noch auf die medizinische Dokumentation des Gesundheitsdienstes des Haager Tribunals, um den Vorfall vom Freitag, dem 10. April, lückenlos nachvollziehen zu können.
Seinem Sohn zufolge wurde Mladic an diesem Tag zur Untersuchung gebracht und noch am selben Tag in die Haftanstalt in Den Haag zurückgeführt. „Höchstwahrscheinlich hatte er einen leichten Schlaganfall“, sagte Darko Mladic.
Die Befunde aus jenem Tag seien bislang nicht übermittelt worden. „Sie haben uns zugesagt, uns die Unterlagen zukommen zu lassen. Abgesehen von einem mündlichen Gespräch mit dem Arzt haben wir bisher nichts erhalten“, so Darko Mladic. Sein Vater könne mittlerweile kaum noch kommunizieren und sei nicht mehr in der Lage, im Rollstuhl zu sitzen.