Katarina Kovačević: „Die Musik hat mich auserwählt – nicht ich sie!“

INTERVIEW

Katarina Kovačević: „Die Musik hat mich auserwählt – nicht ich sie!“

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FOTO: zVg.

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Katarina Kovačević ist in Negotin aufgewachsen, wo sie gleichzeitig das Gymnasium und die Musikmittelschule abgeschlossen hat. Anschließend besuchte sie die Pharmazeutische Fakultät in Belgrad.

Diese außergewöhnliche junge Frau absolviert derzeit ein Doktoratsstudium an der Medizinischen Fakultät in Wien und betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem sie Ratschläge über das Singen gibt.

KOSMO: Beschreibe bitte den Verlauf der Ausbildung…
Katarina Kovačević: Ich bin in Negotin aufgewachsen, wo ich gleichzeitig das Gymnasium und die Musikmittelschule abgeschlossen habe (Abteilung für Sologesang, Gitarre und Klavier). Anschließend habe ich mich an der Pharmazeutischen Fakultät in Belgrad eingeschrieben und bin Magistra der Pharmazie geworden. Derzeit bin ich im Doktoratsstudium an der Medizinischen Fakultät in Wien an der Abteilung Medizinische Pharmakologie.

Planst du in Wien zu bleiben?
Ja!Die Liebe zu dieser Stadt war eine Liebe auf den ersten Blick. Vor 12 Jahren bin ich das erste Mal nach Wien gekommen und die Faszination für seine Architektur und Kultur ist bis heute bestehen geblieben. Hier sind mein Herz und mein Leben, hier sind meine Freunde, und daher nenne ich Wien gerne meine neue Heimat.

Du bist zum Doktoratsstudium an der Medizinischen Fakultät eingeschrieben. Kürzlich hast du gemeinsam mit Bane Opačić ein Lied aufgenommen, du drehst Lernvideos über das Singen auf YouTube… Wie schaffst du es, dich zu organisieren und Zeit für dein Studium und all die Aktivitäten zu finden?
Ein ausgefüllter Tag ist ein guter Tag! Seit meiner Kindheit mache ich immer mehrere Sachen gleichzeitig, das ist kein Problem für mich. Im Gegenteil, wenn ich die meisten Verpflichtungen habe, bin ich auch am produktivsten.

Ich beginne meinen Tag sehr früh mit Yoga oder Meditation. Das hilft mir, meine Gedanken zu ordnen und meine negative Energie loszuwerden. Ich finde, dass Nervosität und Stress die Produktivität einschränken, daher bemühe ich mich, ruhig und mit einem Lächeln bewaffnet durch das Leben zu gehen.

Warum gerade Musik und warum gerade Pharmazie? Hast du vielleicht irgendeinen roten Faden gefunden, der diese beiden ungewöhnlichen Gebiete in deinem Leben verbindet?
Ich habe die Pharmazie gewählt, aber die Musik hat mich gewählt. Die Pharmazie habe ich gewählt, weil ich immer schon den Wunsch hatte, Menschen zu helfen. Mit dieser Wissenschaft kann ich an der Entwicklung der Medikamente mitarbeiten, die die Menschheit braucht.

Die beiden Bereiche sind in meinem ganzen Leben miteinander verwoben, und dadurch bin ich zu dem geworden, was ich bin. Obwohl es zwei ganz unterschiedliche Bereiche sind, ist das, was sie verbindet, die Tatsache, dass sie zur Heilung beitragen können. Die Pharmazie heilt den Körper und die Musik die Seele.

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FOTO: KOSMO

Wer ist dein größtes Vorbild, wo findest du die Inspiration für das, was du tust, und wo die Motivation, immer lächelnd durchs Leben zu gehen?
Mein größtes Vorbild ist meine Mutter, eine Frau, die aus jeder Schlacht des Lebens als Siegerin hervorgegangen ist und mich gelehrt hat, dass Ehrlichkeit, Mut und Reinheit des Herzens keinen Preis kennen. Als ich klein war, sagte sie mir, dass es auf der Welt mehr gute als schlechte Menschen gäbe, denn wenn es umgekehrt wäre, würde die Erde aufhören, sich zu drehen. Und ich gebe zu, dass ich mich von diesen Worten noch immer leiten lasse.

Wenn es um Inspiration und Motivation geht – die nehme ich aus meiner Familie. Sie sind mein Lieblingstrio, meine ewige Unterstützung, und sie geben mir bei allem, was ich tue, Rückenwind.

Du bist Titelträgerin des Wettbewerbs „Ja imam talent“. Daher fragen wir uns, wie es ist, Erster zu sein, und welchen Einfluss dieser Wettbewerb auf dein Leben hatte?
„Ja imam talent“ hat meinen Lebensweg verändert. Der Preis hat mir ermöglicht, nach Wien zu kommen, und der Wettbewerb selber hat mir die Chance geboten, viele großartige Leute und mich selber kennenzulernen. Nach dem Sieg im Wettbewerb befand ich mich an einer Kreuzung. Vor lagen zwei Wege: der Weg der Musik und der Weg der Bildung. Ich habe mich entschieden, mich der Fakultät zu widmen, denn ich hatte das unwahrscheinlich starke Gefühl, dass die Musik immer da sein und auf mich warten würde.

Nachdem ich nach Wien gekommen bin, habe ich an den Wochenenden auf Festen gesungen, aber das hat nicht lange gedauert, denn ich spürte, dass mir das Singen zur Gewohnheit wurde, und das werde ich niemals zulassen. Die Musik ist mein bester Freund, nicht meine Routine. Dennoch habe ich die Verbindung zur Musik nicht verloren: Ich nehme Lernvideos über das Singen auf, die ich auf meinem YouTube-Kanal veröffentliche. Das ist ein sehr spezialisierter Musikkanal, auf dem sich derzeit ca. 6000 Leute befinden.

Findest du dich in dem lateinischen Sprichwort “Per aspera ad astra” wieder, war dein Weg zu den Sternen tatsächlich dornig und reich an Mühen und Entbehrungen?
Manchmal war es dornig, aber ich habe die Dornen niemals als Hindernis gesehen, sondern als Chance, mich zu einer besseren Version meiner selbst weiterzuentwickeln. Die schweren Momente sind dafür da, uns etwas zu lehren, und ich bin dankbar für jeden solchen Moment.

Was ist dein Lebensmantra und was würdest du der Welt sagen, wenn dir alle 7,5 Milliarden Menschen für eine Minute zuhören würden?
In der schwersten Phase meines Lebens, hat mich meine Schwester mit einem Satz des Feldmarschalls Živojin Mišić wieder aufgebaut: Wer wagt, gewinnt; wer keine Angst kennt, wird es weit bringen! Das ist mein Mantra und mein Lebensmotto geworden.

Ich würde der Welt zurufen, dass es Zeit ist, das Leben zu genießen, jeden Moment zu schätzen, der uns gegeben ist, und aufzuhören, uns alle möglichen Sorgen zu machen. Kürzlich habe ich ein tolles Zitat gelesen, das eine große Wahrheit enthält: „Everybody says that we only live once. No, we only die once, but we live every day.“ Davon sollten wir uns leiten lassen und die Welt wäre ein besserer Ort.

Autorin: Kristina Đenđinović

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