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BETRÜGER AM WERK

Das illegale Geschäft mit der Schönheit in Wiener Beauty Salons!

FOTO: iStockphoto/Screenshot Facebook

BETRÜGER AM WERK. Immer häufiger sieht man in den Gesichtern der Damen aus unserer Region in Wien auffällige Improvisationen ästhetischer Eingriffe. Leider ist das nicht immer das Werk von Ärzten.

Vor einigen Monaten schrieb KOSMO über Ärzte aus Serbien, die Damen in Frisörsalons, in Hinterzimmern von Bars, in Privatwohnungen und sogar in Kellern verschönerten. An den Wochenenden empfingen sie Dutzende Frauen und verdienten enorme Summen schwarz, die sie natürlich nicht versteuerten. Eine Aktion der Wiener Polizei erschreckte sie und alle anderen, die in dafür ungeeigneten Räumen „Ordinationen“ eingerichtet hatten, und für eine gewissen Zeit tauchten sie unter bzw. machten zumindest in den sozialen Netzwerken nicht offen Reklame für ihre Schwarzarbeit, die schwärzer nicht sein könnte.

KRIMINELL. Für 70 Euro wird verbotenes und sehr gefährliches flüssiges Silikon in die Lippen gespritzt.

Leider wurden die trüben Praktiken in diesem Bereich der Medizin dadurch nicht ausgerottet, denn die enormen Verdienstmöglichkeiten stellen eine allzu große Versuchung dar. Noch immer kommen einzelne Ärzte bzw. Könige der Lippen und Experten für ein „Gesicht ohne Falten“ am Wochenende nach Wien und brechen gleich mehrere Gesetze, wenn sie unter dem Deckmäntelchen der Humanität – wenn auch nicht das Hippokrates – ihre einträglichen Geschäfte eröffnen. Ihre Helfershelfer sind die Kundinnen, die weitere Klienten unter dem Siegel der Verschwiegenheit in ihren Wohnungen zusammentrommeln. Aber ganz wie im alten Sprichwort – zaklela se zemlja raju – verbreiten sich die Informationen von Mund zu Mund, vor allem bei denen, deren Münder aufgrund einer Überdosis Hyaluron oder auch Silikon, das in Belgrad sehr billig zu haben ist, eher an Entenschnäbel erinnern. In Österreich ist dieses Präparat verboten, aber das wissen die Frauen nicht, und die gierigen Ärzte verschweigen es schlau und nehmen gesalzene Preise dafür.

Eine neue Form der Kriminalität

Wir müssen ehrlich zugeben, dass es unter den illegal gastierenden Ärzten aus Serbien auch solche gibt, die über Erfahrung und Kompetenz verfügen, was natürlich die Verletzung der Gesetze und das Risiko für die Patientinnen, das durch die Arbeit in ungeeigneten Räumen entsteht, nicht rechtfertigt. Das Problem ist, dass ein neues Gesetz in Serbien für viele von ihnen die Verdienstmöglichkeiten in der ästhetischen Medizin beschränkt hat, während sie in Wien an den Wochenenden begehrt sind wie große Stars des Showbusiness. Was jedoch ernsthaft Grund zur Sorge gibt, sind die Kosmetikerinnen aus Serbien, die einen weißen Kittel überziehen, sich einbilden Ärztinnen zu sein und in Wien ordinieren.

Eine leichtgläubige Frau: „Ich habe Lippenvolumen, einen Schmerz, der nicht aufhörte,
und Knötchen unter der Haut bekommen.“

Von deren sehr gefährlicher Tätigkeit haben wir von mehreren Frauen gehört, und wir werden sie anhand des Beispiels von D.J., die bei den Vermittlerinnen am bekanntesten ist, illustrieren. (Der volle Name ist der Redaktion bekannt.) Eigentlich führt sie einen Kosmetik- und Frisörsalon in Smederevo. Sie kommt schon lange nach Wien und hat ihren Markt auch auf Deutschland und Frankreich ausgedehnt. In der ersten Zeit, als sie die ersten leichtgläubigen Stammkundinnen anwarb, führte sie ihre Schönheitsbehandlungen an einem Tag des Wochenendes in einem türkischen Frisörsalon im 16. Bezirk durch und für den zweiten Tag köderten ihre Helferinnen Frauen über Facebook. Inzwischen ist ihr Geschäft so expandiert, dass sie mit den Terminen beim Frisör aufgehört hat. Über ihre Erfahrungen erzählt eine unserer Gesprächspartnerinnen:

„Ich weiß, dass D.J. sehr oft nach Wien kommt. Die Termine teilen uns ihre Stammkundinnen über Facebook mit. Sie arbeitet immer in anderen Wohnungen, meistens im 16. Bezirk, die sie über das Internet anmietet. Ich bin zu ihr gegangen, denn ich wollte etwas betontere Lippen haben, und bei den Wiener Ärzten war mir dieser Eingriff zu teuer, er kostete mindestens 250 Euro. Was soll ich sagen? Ich war begeistert, als mir D.J. sagte, dass meine Lippen für nur 70 Euro dauerhaft perfekt sein würden. Ich zweifelte weder an ihrer Kompetenz noch an der Qualität der Materialien, die sie verwendet, und es störte mich auch nicht, dass sie die Untersuchung und die Planung der Behandlung unter einer ganz normalen Lampe in einem improvisierten Raum durchführte. Sie injizierte mir das Präparat, meine Lippen bekamen tatsächlich Volumen, aber die Probleme begannen, als ich begriff, dass der Schmerz nicht aufhörte und dass ich unter der Haut Knötchen bekam, die nicht verschwanden. Da suchte ich Hilfe bei einem Facharzt, der mir sagte, dass sie mir ein sogenanntes Biopolymer bzw. flüssiges Silikon in die Lippen gespritzt hatte, das in Österreich verboten ist. Aufgrund der Gefahr für meine Gesundheit empfahl er mir, mir die Kügelchen chirurgisch aus den Lippen entfernen zu lassen. Meinen Leichtsinn habe ich teuer bezahlt.“

Expertin für alle ästhetischen Eingriffe

Von journalistischer Neugier getrieben begannen wir nach diesem Bericht, die Arbeit der erwähnten Kosmetikerin, die sich selbst als Ästhetikerin vorstellt, zu untersuchen. Natürlich war Facebook unsere erste Adresse. Es ist fast untertrieben zu sagen, dass ihre Eigenreklame uns schockierte, da wir wissen, dass in Österreich ausschließlich Ärzte medizinische Nadeln in die Hand nehmen dürfen. Davon, wie streng dieses Gesetz ist, zeugt auch die Tatsache, dass selbst eine Krankenschwester einem Patienten in Abwesenheit eines Arztes keine Spritze geben und kein Blut abnehmen darf.

D.J. lädt Kundinnen auf den Facebook-Profilen ihres Salons in Smederevo und auch auf ihrem privaten – alle voll mit Bildern der Frauen, die sie behandelt –zur Verschönerung mit Hyaluron, Botox, der PRP-Methode und Mesoniten ein. Sie glättet Falten, betont die Wangenknochen, verschönert Nasen, hebt den Gesichtstonus, entfernt überflüssiges Fettgewebe aus dem Körper… Kurz gesagt, sie macht alles, was man sich nur wünschen kann, so als hätte sie alle möglichen Spezialausbildungen der ästhetischen Medizin durchlaufen. Bei der weiteren Suche stießen wir auf Zertifikate, mit denen die geschäftstüchtige Kosmetikerin leichtgläubigen, oder besser gesagt leichtsinnigen, Frauen  ihre Qualifikation beweist. Denn D.J. hat auf FB Bestätigungen gepostet, alle in englischer oder deutscher Sprache, auf denen steht, dass sie an Wochenenden in Belgrad an Trainings für bestimmte Gebiete der ästhetischen Medizin teilgenommen hat. Was immer sie dort gemacht hat, geben ihr diese Bestätigungen doch kein Recht, dies auch auszuüben. Wir wiederholen und betonen: Dieses Recht haben ausschließlich Ärzte, und auch nur dann, wenn Sie eine bestimmte Fachausbildung absolviert haben!

Da Frauen sehr empfindlich sind, wenn es um ihr Gesicht geht, gibt es auch solche, die sich vor den Folgen fürchten. Eine von ihnen erzählte uns:

„Ich habe gehört, dass die PRP-Methode, bzw. die Behandlung mit eigenem Blutplasma, bei der Revitalisierung der Gesichtshaut sehr erfolgreich ist. Ich wollte mich dieser Methode unterziehen, aber mein Problem war das Geld. Darüber habe ich  mit einer Freundin gesprochen, und sie sagte mir, dass sie eine Ärztin aus Serbien kenne, die oft nach Wien käme und deren Preise akzeptabel seien. Unbesorgt ging ich mit meiner Freundin zum vereinbarten Termin. Der erste Hauch eines Zweifels beschlich mich, als ich in einer Wohnung auf zehn Frauen stieß, die in der Küche rauchten. Die Dame, die mich empfing, war schön und übertrieben herzlich und duzte mich sofort, was mir nicht gefiel. Sie sagte, sie würde mich sofort drannehmen, aber als sie die Spritze nahm, fing mein Gehirn an zu arbeiten und ich fragte sie, ob sie Ärztin sei. Sie lachte ironisch und antwortete, das sei sie nicht, sondern Ästhetikerin, wofür sie zahlreiche Zertifikate besäße. Sie behauptete, dass das Gesetz Ärzte begünstigte und ihnen das Geld in die Tasche spülte. Ich rannte hinaus, als sei der Teufel hinter mir her! Lieber lebe ich  mich meiner nicht perfekten Haut als mit einer Entstellung.“

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Vera Marjnaovic
Meine Berufung zur Journalistin entdeckte ich bereits als Sechzehnjährige während meiner Gymnasialzeit in Montenegro. Diesem Berufszweig bin ich seither treu geblieben. Nach meiner Ankunft in Wien widmete ich mich der Arbeit mit Mitgliedern der BKS-Gemeinschaft, wodurch ich tiefgreifende Einblicke in die Lebensgeschichten und sowohl die Triumphe als auch die Herausforderungen verschiedener Generationen gewann. Diese vielfältige Palette an Persönlichkeiten prägte meinen journalistischen Weg und festigte mein Engagement für soziale Themen.