Eine Trauerfeier endet in Gewalt: In Wien-Floridsdorf eskaliert ein Konflikt, der tief in die iranische Geschichte reicht.
In der Nacht auf einen Freitag eskalierte ein Konflikt in Wien-Floridsdorf, der seinen Ursprung in einer Trauerveranstaltung für den iranischen Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei hatte. Laut Polizei gerieten rund 70 Personen mit Holzlatten und Stöcken aneinander, neun Menschen wurden dabei verletzt.
Die Veranstaltung in einem islamischen Zentrum in der Floridsdorfer Richard-Neutra-Gasse hatte bereits gegen 20 Uhr geendet. Auch die Teilnehmer der Kundgebung – überwiegend geflüchtete Exil-Iraner – hatten das Gelände zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Zwei Stunden später, gegen 22 Uhr, liefen jedoch zahlreiche Notrufe bei der Polizei ein.
Eskalation in Floridsdorf
Die Auseinandersetzung forderte neun Verletzte, von denen sieben durch die Berufsrettung Wien notfallmedizinisch versorgt und anschließend in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Die Polizei nahm zwei Personen fest und erstattete gegen 20 weitere Anzeige.
Vorausgegangen war eine Trauerfeier religiöser Hardliner, die eines getöteten Mullahs gedachten und dabei ein großformatiges Bild Khameneis durch die Straßen trugen. Für viele der einst vor dem iranischen Regime nach Österreich geflüchteten Exil-Iraner war das offenbar nicht hinnehmbar. Auch die FPÖ Wien-Floridsdorf war vor Ort – Bezirksparteiobmann Karl Mareda äußerte Verständnis für die Exil-Iraner: „Es ist traurig, dass die die Einzigen sind, die gegen das Zentrum in Floridsdorf aufstehen.“
Nach der angemeldeten Demonstration kam es laut Augenzeugen zu Ausschreitungen. Dabei sollen unter anderem Eisenstangen geworfen worden sein. Mehrere Personen erlitten augenscheinlich Verletzungen. Die Polizei steht erneut im Großeinsatz ink. kräften der WEGA pic.twitter.com/jBNtgnDk1J
— Esterreicherr (@Esterreicherr) March 4, 2026
Politischer Streit
Mareda nutzte den Vorfall, um langjährige Forderungen seiner Partei zu bekräftigen: „Für uns ist absolut unverständlich, dass die rote Stadt und der schwarze Innenminister hier überhaupt nichts dagegen machen.“ Er verwies dabei auf wiederholte Anträge der FPÖ gegen das islamische Zentrum im Bezirk. Auch SPÖ-Bezirksvorsteher Georg Papai soll mit den regelmäßigen Versammlungen in der Richard-Neutra-Gasse 8 nicht einverstanden sein – einem Objekt, das laut Mareda baupolizeilich nicht einmal genehmigt sein dürfte.
Jeden Freitagabend versammeln sich demnach zahlreiche Personen vor dem Zentrum, wobei nach Angaben von Anrainern nach außen hin andere Gründe – etwa Kurse – für die Zusammenkunft angegeben werden. Gottfried Krause aus der nahegelegenen Nordrandsiedlung beobachtet regelmäßig Hunderte Fahrzeuge, die die umliegenden Straßenzüge blockieren. Dass es nun sogar zu Verletzten gekommen ist, hat ihn erschüttert.
Großeinsatz der Polizei gestern bei einer iranisch-säkularen Demonstration gegen ein iranisch-schiitisches Islamzentrum in Wien Floridsdorf.
Nach der Demonstration soll es laut Augenzeugen zu Ausschreitungen gekommen sein. Dabei wurden mehrere Personen verletzt.#iran #wien pic.twitter.com/AHKVmkfKXv— Esterreicherr (@Esterreicherr) March 5, 2026