Der Fall des Geschlechtswechsels von Walter P. zu Waltraud sorgt weiterhin für gesellschaftliche Diskussionen. Der ehemalige Rotlicht-Unternehmer, der wegen Betrugs mit gefälschten Silbermünzen zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt wurde, entschied sich für eine amtliche Geschlechtsänderung, nachdem er die Aufforderung zum Haftantritt erhalten hatte. Sein erklärtes Ziel: die Verbüßung der Strafe in einer Frauenhaftanstalt statt in einem Männergefängnis.
Bei seinem ersten Versuch, die Geschlechtsänderung beim Wiener Magistrat zu beantragen, wurde er aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes zunächst abgewiesen. Waltraud kritisierte diese Entscheidung als diskriminierend: „Das ist sexistisch, weil wie muss eine Frau aussehen? Ist man erst eine Frau, wenn man lange blonde Haare hat und High Heels trägt?“ Nach Vorlage eines psychiatrischen Gutachtens erfolgte die amtliche Umschreibung innerhalb einer Woche.
Die Behörden bieten Waltraud seit zwei Jahren an, die Strafe mittels elektronischer Fußfessel im Hausarrest zu verbüßen. Diesen Kompromissvorschlag, den sie als „typische österreichische Lösung, um das Problem zu entgehen“ bezeichnet, lehnt sie jedoch konsequent ab. Sie besteht auf einer Unterbringung in einer Mehrbettzelle mit anderen weiblichen Häftlingen und verweist auf ein zweites Gutachten, das bestätigt, „dass ich nicht allein liegen kann“.
Unerwartete Vorteile
Ein unerwarteter Nebeneffekt der Geschlechtsumwandlung war ein Schreiben der Pensionsversicherungsanstalt, das Waltraud darüber informierte, dass sie nun vier Jahre früher – mit 61 statt 65 Jahren – in den Ruhestand treten kann. Diese Möglichkeit, die sie im kommenden Jahr nutzen will, bezeichnet sie selbst als „netten Nebeneffekt“. ⇢ „Waltraud“ wurde zur Frau um Männerknast zu umgehen – und darf früher in Pension
Ihre 24-jährige Ehe mit einer Frau, aus der zwei Kinder hervorgingen, bleibt von der Geschlechtsänderung unberührt.
Als die Aufforderung zum Haftantritt in einer Männerjustizanstalt eintraf, war die amtliche Geschlechtsänderung bereits vollzogen. Waltraud beharrt darauf, ihre Strafe in einer Frauenhaftanstalt abzusitzen, und äußert sich vorfreudig über die Aussicht auf gemeinsames Duschen und Spazierengehen mit den Mitinsassinnen: „Ich mache mir dort mit den Damen eine gute Zeit.“
Dass eine Wette mit einem Freund solche weitreichenden Konsequenzen haben würde, hatte Waltraud nach eigenen Angaben nicht erwartet. Öffentliche Kritik fürchtet sie nicht und betont: „Ich habe mich immer schon als Frau gefühlt.“ Ein Freund verteidigt sie gegenüber der Zeitung „Heute“: „Es ist kein Betrug dahinter, sie fühlt sich eben so.“
Politische Reaktionen
Aus der Politik kommen bereits erste Reaktionen. Die Wiener FPÖ-Frauensprecherin Lisa Frühmesser-Götschober bezeichnet den Fall als „Schlag ins Gesicht all jener Frauen, die tagtäglich mit echten Benachteiligungen zu kämpfen haben“ und fordert umgehend gesetzliche Regelungen zur Verhinderung solcher „Geschlechterwechsel und Missbräuche“.
FPÖ-Chef Herbert Kickl positioniert sich ebenfalls deutlich: „Für uns ist klar: Das Geschlecht ist nichts, das man sich nach Belieben aussuchen kann oder das von irgendwem ideologisch zugeschrieben wird, sondern eine biologische Tatsache, bei der es nur zwei Optionen gibt: entweder männlich oder weiblich!“
Ob Waltraud tatsächlich in einem Frauengefängnis untergebracht wird, ist derzeit noch unklar.
Die vorgezogene Pensionierung mit 61 Jahren steht jedoch fest.