Porsche auf einer Insel ohne Straßen – was absurd klingt, ist Realität. Der Grund dafür liegt Tausende Kilometer entfernt.
Was der Krieg im Nahen Osten und die Turbulenzen im globalen Seeverkehr anrichten können, zeigt sich gerade auf ungewöhnliche Weise vor der Küste Kenias: Tausende Luxusautos, die eigentlich für die Vereinigten Arabischen Emirate bestimmt waren, haben auf der Insel Lamu einen unfreiwilligen Zwischenstopp eingelegt. Die Ironie dabei ist kaum zu überbieten – denn auf Lamu sind Autos grundsätzlich verboten.
Am 1. März wurde der Hafen Dschebel Ali in Dubai von iranischen Gegenangriffen getroffen. Seitdem gilt die Route durch die Straße von Hormus als zu riskant für kommerzielle Frachtschiffe – mit direkten Folgen für die globale Automobillogistik.
Die historische Insel, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, lebt von engen Gassen, jahrhundertealten Traditionen und einer Mobilität, die sich auf Fußgänger, Fahrräder und Esel stützt. Darüber berichtet BBC News Africa.
Porsche auf Lamu
Und dennoch stehen dort nun Dutzende fabrikneue Porsche – geparkt auf einer Insel, die für solche Fahrzeuge schlicht nicht gemacht ist. Sie gehören zu mehr als 4.000 Fahrzeugen, die von zwei Schiffen entladen wurden, nachdem diese Dubai aufgrund der Lage in der Straße von Hormus nicht mehr anlaufen konnten.
Noch ist kein Ende in Sicht: Bereits in der kommenden Woche wird ein weiteres Frachtschiff erwartet – diesmal mit rund 5.000 Fahrzeugen an Bord.
Chance für Lamu
Hafenverwalter Abdulaziz Dado Mzee bringt die Lage auf den Punkt: „Die Schiffe, die in Richtung Golf unterwegs waren, treiben jetzt einfach auf dem Meer, weil sich die Situation dort zunehmend verschlechtert hat.“ Er macht keinen Hehl daraus, dass die Ursache dieser Entwicklung alles andere als erfreulich ist – sieht in der unerwarteten Umleitung aber durchaus eine wirtschaftliche Chance für Lamu.
Der dortige Hafen war bereits 2012 im Rahmen eines milliardenschweren Infrastrukturprojekts geplant worden und steht nun unversehens im Zentrum globaler Handelsverschiebungen.
Auch namhafte europäische Luxusmarken reagieren auf die Eskalation: Ferrari und Maserati haben ihre Lieferungen in den Nahen Osten vorerst ausgesetzt. Ferrari teilte mit, die Entwicklung der Lage und mögliche Auswirkungen auf das Geschäft genau zu beobachten.
Maserati bezeichnete die Transportbedingungen in der Region schlicht als äußerst kritisch.