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COVID-19

Regierung verkündet zweiten Lockdown ab 3. November

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(FOTO: Bundeskanzleramt/Arno Melicharek)

Wie am Donnerstag angekündigt, präsentiert die österreichische Bundesregierung heute die neuen, verschärften, Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Kanzler Kurz erinnert daran, dass sich ganz Europa in der zweiten Welle befinde und viele Nachbarstaaten bereits einen zweiten Lockdown beschlossen haben. Auch wenn Österreich über eines der besten Gesundheitssysteme verfüge, so habe auch dies seine Grenzen. “Das bedeutet, dass Ärzte entscheiden müssen, ob sie ein Unfallopfer, einen COVID-Patienten oder einen Schlaganfallpatienten auf der Intensivstation betreuen”, warnt der Bundeskanzler. “Ab Dienstag, dem 3. November 00:00 Uhr, bis Ende November wird es zu einem zweiten Lockdown kommen”, fügte er hinzu.

Was sperrt zu und was bleibt offen?
Veranstaltungen, Events und Indoor-Sport werden dann nicht mehr möglich sein. Gleiches gilt für die Hotellerie, mit Ausnahme von Geschäftsreisen, sowie die Gastronomie. Abholung und Lieferung sind weiterhin möglich. Um den wirtschaftlichen Schaden abzufangen, wurde ein Hilfspaket beschlossen. Unternehmern werden 80 Prozent des Umsatzes eines Vergleichszeitraumes ersetzt werden. Dies gelte für alle Körperschaften, auch NGOs. Ebenso müssen die Arbeitgeber ihre Angestellten in Beschäftigung behalten. Dafür wird die Kurzarbeit abermals verlängert.

Der Handel und die persönlichen Dienstleistungen (Friseure, Physiotherapeuten, etc.) bleiben geöffnet. Ebenso appellierte der Bundeskanzler, dass Firmen auf Home Office umsteigen sollen, insofern das möglich ist. Dazu habe man eine Vereinbarung mit den Sozialpartnern getroffen. Die Oberstufe und Universitäten werden auf Distance-Learning umgestellt. Kindergärten und Pflichtschulen bleiben im Gegensatz zum Frühjahr geöffnet.

Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen
Während der Zeit des Lockdowns dürfen sich nur zwei Haushalte miteinander treffen, unabhängig davon, wie viele Menschen in diesen Haushalten leben. Gleichzeitig gibt es eine nächtliche Ausgangsbeschränkung, die täglich von 20.00 Uhr bis 6.00 Uhr dauern wird.

Selbstverständlich gelten auch weiterhin die berühmten 5 Gründe, um das Haus zu verlassen (Abwehr von Gefahr, Hilfeleistung, familiäre Pflichten, Deckung der Grundbedürfnisse, berufliche Zwecke und Sport bzw. Beine vertreten). Man möchte mit dieser nächtlichen Ausgangssperre ein Besuchsverbot bewirken, sodass Partys in den eigenen vier Wänden und ähnliches nicht mehr möglich sind. “Wenn wir diesen Schritt nicht gemeinsam setzen, so drohen uns Zustände, wie sie in anderen Ländern derzeit wieder eintreten”, warnt der Bundeskanzler.

Ziel des zweiten Lockdowns, so Kurz, sei es das Infektionsgeschehen so zu drücken, dass man im Dezember wieder langsam zu einem normalen Leben zurückkehren kann. Er warnt jedoch, dass erst ein Impfstoff wirklich Abhilfe schaffen werde. Der nächste Sommer soll laut dem österreichischen Bundeskanzler wieder ein “ganz normaler” werden.

“Niemand ist gefeit”
Vizekanzler Werner Kogler erklärte, dass selbstverständlich nicht jeder von uns, ein COVID-Intensivpatient werde. Allerdings sei niemand gefeit davor, einen unerwarteten Unfall oder eine Erkrankung zu erleiden. Und in diesen Fällen soll jedem die adäquate medizinische Betreuung möglich sein, vor allem hinsichtlich der Intensivmedizin. “Unser Gesundheitssystem, eines der besten der Welt, kann auch an seine Grenzen stoßen”, betonte Kogler und appelliert an die Bürger, die physischen Kontakte zu reduzieren.

Europa verzeichne derzeit ein Drittel aller Infektionsfälle, warnt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Der Zusammenhalt und die Verantwortung unserer Mitmenschen gegenüber haben uns gut durch das Frühjahr gebracht und darum gehe es jetzt auch. “Ab Mitte November könnte die Kapazitätsgrenze der Spitäler erreicht werden”, warnte Anschober. Daher müsse man jetzt dagegenhalten und die Kurve vor diesem Zeitpunkt abflachen. “Was man einmal geschafft hat, kann man auch ein zweites Mal schaffen”, schloss Anschober seine Ansprache.

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