Im Schweinestall einer Justizanstalt soll ein Wachebeamter seine Machtposition für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben. Nun droht ihm ein Prozess in Steyr.
Ein suspendierter Justizwachebeamter muss sich Ende September vor dem Landesgericht Steyr verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Missbrauch des Autoritätsverhältnisses und Nötigung vor. Der Mann soll im Forensisch-therapeutischen Zentrum Asten seine Machtposition ausgenutzt haben, um sexuelle Handlungen mit dort untergebrachten Frauen durchzuführen.
Besonders schwerwiegend ist der Vorwurf, dass er im Herbst 2023 mit einer 32-jährigen Insassin Geschlechtsverkehr im Schweinestall der Einrichtung hatte. Zudem soll er im April 2023 eine 26-jährige Untergebrachte geküsst und sie beim Duschen unbekleidet beobachtet haben. Als die junge Frau eine Anzeige in Erwägung zog, drohte er ihr Berichten zufolge, dass ihr niemand Glauben schenken würde und sie die Anstalt nie verlassen könnte.
⇢ Justizwache-Beamter mit Insassin im Schweinestall erwischt
Anzeige und Ermittlungen
Die Ermittlungen kamen ins Rollen, als eine andere untergebrachte Frau eine Justizwachebeamtin über die Vorfälle informierte, woraufhin diese Anzeige erstattete. In ihren Aussagen gaben beide betroffene Frauen an, sich gegen die Übergriffe nicht zur Wehr gesetzt zu haben. Für den Prozess am 29. September sind zwei Stunden angesetzt. Der Beschuldigte, der sich derzeit im Krankenstand befindet, hat die Vorwürfe bislang nicht eingestanden.
📍 Ort des Geschehens
Das Forensisch-therapeutische Zentrum Asten ist eine Einrichtung für geistig abnorme Rechtsbrecher (Maßnahmenvollzug für psychisch kranke Straftäter), die zum Tatzeitpunkt als nicht zurechnungsfähig eingestuft wurden. Die Einrichtung beherbergt aktuell rund 240 Personen, davon 56 Frauen, und wurde 2023 durch einen Zubau auf eine Kapazität von 300 Betten erweitert.
Das 372-köpfige Personal setzt sich hauptsächlich aus Pflegekräften und Sozialbetreuern zusammen, während Justizwachebeamte nur in drei Abteilungen tätig sind. Christina Forstner, Pressesprecherin des Landesgerichts Steyr, bestätigte, dass der Angeklagte seine Position gegenüber den dort untergebrachten Frauen missbraucht haben soll.
Die Tageszeitung „Heute“ hatte als erstes Medium über den Fall berichtet.