Ein Entführungsfall mit Kavac-Clan-Bezug beschäftigt die Wiener Justiz – nun sitzt ein weiterer Verdächtiger in Untersuchungshaft.
Ein weiterer mutmaßlicher Beteiligter an einem Entführungsfall, den Mitglieder des montenegrinischen Kavac-Clans im März 2020 in Wien organisiert hatten, befindet sich nun in der Justizanstalt Josefstadt in Untersuchungshaft. Der 60-Jährige war zuvor in Serbien festgenommen und anschließend zur Strafverfolgung an die Wiener Behörden ausgeliefert worden. Gerichtssprecherin Christina Salzborn bestätigte am Montag entsprechende Informationen.
Seit etwa vier Wochen wartet der Mann in der Wiener Justizanstalt auf seine Anklage und den bevorstehenden Prozess. Den Ermittlungen zufolge soll er bei dem Geschehen in dem Wiener Appartement eine Schlüsselrolle eingenommen und die Aktion maßgeblich gesteuert haben. Das weist er entschieden von sich. Nach seiner Überstellung nach Wien erklärte er, er habe keinerlei Kenntnis davon, worum es gehe und was ihm konkret vorgeworfen werde. Er selbst bezeichnete sich als Opfer einer Entführung.
Entführung am Rudolfsplatz
Vor sechs Jahren hatten Mitglieder des Kavac-Clans einen kroatischen Staatsbürger unter dem Vorwand einer Geschäftsanbahnung nach Wien gelockt und in eine angemietete Wohnung am Rudolfsplatz in Wien-Innere Stadt gebracht. Als der damals 41-Jährige gemeinsam mit einem älteren Begleiter die Räumlichkeiten betrat, wurden beide überwältigt, gefesselt, misshandelt und mit dem Tod bedroht, falls kein hohes Lösegeld bezahlt würde. Schließlich gelang es den beiden Festgehaltenen, das Appartement lebend zu verlassen, nachdem sie den Tätern die Zahlung von 750.000 Euro zugesichert hatten. In der Folge soll es in Zagreb zur Übergabe von 100.000 Euro gekommen sein.
⇢ Sporttasche voller Beute: Dieb schlägt auf Polizisten ein
Urteile & Freispruch
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Wien waren insgesamt sieben Personen an der Entführung beteiligt. Zwei von ihnen wurden im vergangenen November am Landesgericht rechtskräftig schuldig gesprochen und zu Freiheitsstrafen von sechs beziehungsweise sieben Jahren verurteilt. Ein 57-Jähriger, der als sogenannter Aufpasser angeklagt worden war, wurde hingegen am vergangenen Freitag im Zweifel freigesprochen. Das Gericht ging zwar davon aus, dass der Angeklagte dem Kavac-Clan zuzurechnen ist, sah es jedoch als nicht erwiesen an, dass er in einem Park vor dem Appartement in Wien-Leopoldstadt Wache gestanden hatte, in dem die beiden Kroaten misshandelt worden waren.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Der zuständige Staatsanwalt erhob dagegen Nichtigkeitsbeschwerde.