KOSMO: Wie ist Ihr Verhältnis zur Musik, wenn Sie auf der Bühne stehen, verglichen mit der Arbeit im Studio? Gibt es einen Aspekt der Live-Auftritte, den Sie besonders mögen? Was treibt Sie in diesem ganzen Schaffensprozess besonders an?
Mile Kekin: Das Verhältnis ist das gleiche, ich versuche, mich in jeder Rolle gut zu fühlen, und die Rollen ändern sich. Auf der Bühne bin ich Vortragender und ein bisschen auch Unterhalter. Wichtig ist mir, dass es dem Publik gut geht und dass wir gemeinsam die Musik genießen. Im Studio bin ich Kreativer, dort denke ich nicht an das Publikum, sondern nur daran, ob ich mit einem Lied zufrieden bin. Jede Etappe macht mir Freude. Ich bin euphorisch, wenn ich das Gerüst eines Liedes fertigstelle, wenn ich es spiele und wenn ich der Einzige auf der Welt bin, der es kennt. Aber dann liebe ich es auch, es zum ersten Mal jemandem vorzuspielen. Meistens ist es meine Frau, die da nicht auskommt. Am meisten treibt mich die Euphorie über ein neues Lied an, das noch niemand anders kennt.

KOSMO: Was die Nachhaltigkeit betrifft, wie ist Ihre Meinung zum derzeitigen Zustand der Musikindustrie? Gibt es Veränderung in der Art der Musikproduktion, des Vertriebs und des Konsums, die Sie gerne sehen würden?
Mile Kekin: Ich würde sagen, dass die Entwicklung der Musikindustrie vor allem von der Technologie bestimmt ist, und das wichtigste Charakteristikum unserer digitalen Zeit ist die sofortige Verfügbarkeit von allem. Jedes Lied, jeder Film, jedes Buch und jeder Spot stehen, wenn man gut mit der Tastatur umgehen kann, sofort zur Verfügung. Das hat die Exklusivität zerstört, an die wir uns noch aus der Zeit des Vinyls erinnern. Auf der anderen Seite hat es aber auch ermöglicht, dass Bands, die schwer an eine Plattfirma kommen würden, die Chance haben, sich durchzusetzen, wenn sie die Technologie der sozialen Netzwerke klug einsetzen.
„Es ist einfach heute eine andere Zeit und man muss sich der digitalen Welt anpassen“, so Kekin.
Sie können selber Alben aufnehmen, und zwar sogar sehr solide produzierte, und das auch wieder, wenn sie gut mit einer Tastatur umgehen können. Es hat keinen Sinn, darüber zu reden, was besser und was schlechter ist. Es ist einfach heute eine andere Zeit und man muss sich der digitalen Welt anpassen. Was den Konsum betrifft, so glaube ich, dass wir alle unsere Fähigkeit verlieren, uns länger als ein paar Minuten auf eine Sache zu konzentrieren. Das ist der Preis, den wir der online-Zeit zahlen. Und das spiegelt sich auch in der Musik wider, es gibt keine Zeit mehr für längere Intros. Das hört man am besten im Radio. Meistens beginnt ein Lied gleich mit dem Refrain und wiederholt den besten Teil dreimal und stört nicht, wenn wir gleichzeitig surfen oder Netflix schauen.
KOSMO: Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, gibt es da etwas, das Sie gerne anders gemacht hätten?
Mile Kekin: Wie mit jedem Leben, so ist es auch mit den Karrieren. Balašević hat das schön formuliert: „“žao mi je što sam ponekad bio gad, a što ponekad ne.“ („Es tut mir leid, dass ich manchmal fies war und manchmal nicht.“) Es hat keinen Sinn, über seine falschen Schritte nachzudenken, sondern man muss schauen, was man in Zukunft klüger machen kann. Ich habe tolle Menschen und Musiker um mich herum versammelt und habe bis zum Jahresende einen vollen Terminkalender. Am 15.3. komme ich nach Wien in den Club Replugged, wo ich dem Publikum neben dem neuen Album auch einen Überblick über meine ersten 30 Jahre als Komponist und Texter präsentieren werde. Kurz gesagt: Ich will versuchen, möglichst viel zu spielen und mir möglichst wenig Gedanken zu machen.