Krebserregende Asche als Grillkohle und Dünger – ein europaweites Netzwerk soll den giftigen Stoff jahrelang unerkannt vertrieben haben.
Jahrelang soll giftige Industrieasche in Europa als unbedenkliche Alltagsware in Umlauf gebracht worden sein. Einem internationalen Netzwerk, das die belasteten Materialien offenbar auch nach Österreich geliefert hat, hat die italienische Polizei nun das Handwerk gelegt.
Am Ende umfangreicher Ermittlungen wurden zwölf Personen festgenommen, darunter drei österreichische Staatsbürger. Ein Betrieb in Südtirol wurde geschlossen. Gegen sechs weitere Tatverdächtige sowie drei Unternehmen laufen die Ermittlungen noch.
Giftige Grillkohle
Die kontaminierten Stoffe gelangten als Grillkohlebriketts und Düngemittel auf den Markt. Hergestellt wurden sie in Serbien und Kroatien, vertrieben unter anderem in Deutschland und Österreich – wo sie auch in der Landwirtschaft zum Einsatz gekommen sein sollen.
Nach Angaben der italienischen Ermittlungsbehörden wurden die Grillbriketts mit falschen Zertifizierungen unter den Markennamen „Alpenkohle“ und „CroGrill“ in Italien, Österreich, Deutschland, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern vertrieben.
Den Behörden zufolge stammt die belastete Asche aus der sogenannten Pyrovergasung. Bei diesem Verfahren werden organische Abfälle wie Holz unter Sauerstoffausschluss stark erhitzt, um Gas zu gewinnen. Die dabei anfallende Asche enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserregend eingestuft werden.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die giftige Asche nicht ausschließlich zur Herstellung von Grillbriketts verwendet wurde. Auch Düngemittel, Tierfutterzusätze und Betonadditive sollen daraus produziert worden sein.
Vertuschung in Bozen
Um den europaweiten Vertrieb zu organisieren, soll die Gruppe ein Firmennetzwerk in mehreren Ländern aufgebaut haben, mit dem Ziel, die gesamte Lieferkette zu kontrollieren. Zwei italienische Unternehmen sollen dabei nach Angaben der Polizei illegale Gewinne in Höhe von mehreren hunderttausend Euro erwirtschaftet haben.
Besonders schwerwiegend sind die Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Umweltamts Bozen: Ein Ermittlungsrichter in Trient wirft ihnen vor, die Vorgänge aktiv gedeckt zu haben.
Die Behörde habe laut Gericht eine „wesentliche Rolle“ bei der Vertuschung gespielt.
Die Ermittlungen begannen im Jahr 2022, nachdem in Italien ein Lastwagen mit kroatischem Kennzeichen angehalten worden war, der Asche aus zwei Südtiroler Heizkraftwerken transportierte. Diese Asche wurde anschließend in Anlagen in Kroatien und Serbien zur Herstellung von Grillbriketts weiterverarbeitet.