Zwei kleine Mädchen, zwei brutale Angriffe – und eine Täterin, die bis zuletzt keine Einsicht zeigt. Jetzt hat das Gericht entschieden.
Völlig unbeeindruckt von ihrer Umgebung sitzt ein zehnjähriges Mädchen in der Wiener Straßenbahnlinie O, macht Sprachübungen auf ihrem Handy. Bei der nächsten Haltestelle steigt eine junge Frau zu und nimmt den freien Platz neben dem Kind ein. Etwa eine Minute vergeht, beide sitzen still. Dann springt die 26-Jährige unvermittelt auf – und tritt dem Mädchen mit voller Kraft ins Gesicht.
Die Bilder der Überwachungskamera lassen einen fassungslos zurück. Umso mehr, weil dieser Vorfall nicht der erste seiner Art war. Bereits im September 2025 hatte dieselbe Frau an der S-Bahn-Station Wien-Rennweg ein erst achtjähriges Kind mit ihrem Handy gegen die Stirn geschlagen und ihm anschließend einen Faustschlag gegen die Nase versetzt. „Das Kind war total wehrlos und ohne Begleitung unterwegs“, erinnert sich eine Zeugin, die sich damals um die blutende und weinende Achtjährige kümmerte.
Vor Gericht
Vor dem Schöffensenat zeigt sich die Angeklagte wenig auskunftsfreudig. Dass sie aufgrund einer schweren psychiatrischen Erkrankung auf Medikamente angewiesen ist, will sie nicht akzeptieren. „Ich möchte mich dazu nicht äußern. Mir fehlt das Gedächtnis dazu“, sagt die 26-Jährige.
Als Richter Christoph Bauer nachhakt, fällt ihr dann doch noch etwas ein: „Sie hat mich angegafft. Ich hab‘ ihr eh gesagt, sie soll mich nicht anschauen.“ Gemeint ist das Mädchen an der S-Bahn-Station. Das Kind in der Straßenbahn wiederum habe ihren Ring angestarrt: „Ich dachte, sie nimmt ihn mir jetzt weg.“
Auf die Frage des Richters, ob sie sich selbst für gefährlich halte, antwortet die Frau: „Nein. Ich möchte nicht mehr behandelt werden. Es wäre alles besser für mich. Ich hab‘ zwar manchmal Aggressionsschübe. Dass ich das an anderen auslasse, war nicht gewollt.“
Psychiatrisches Gutachten
Der beigezogene Gerichtspsychiater kommt zu einer völlig anderen Einschätzung. Bei der 26-Jährigen liegt eine schizoaffektive Störung vor. „Das sind die beiden schwersten Krankheitsbilder, die man haben kann und das in einem vereint“, erklärt der Gutachter. Die Erkrankung verbindet die psychotischen Züge einer Schizophrenie mit den manisch-depressiven Phasen einer bipolaren Störung. Seit Jahren wiederholt sich dabei dasselbe Muster: Die Frau fällt auf, wird von der Polizei in eine psychiatrische Einrichtung gebracht, entlassen – und setzt die Medikamente ab.
Auch nach mehreren Monaten in der vorläufigen Unterbringung in der Justizanstalt Wien-Josefstadt zeigt die Österreicherin keinerlei Krankheitseinsicht. „Ich will von diesen Medikamenten wegkommen. Ich will von dieser ganzen psychiatrischen Geschichte wegkommen.“ Richter Bauer hält dagegen: „Sie sind krank. Das kann man nicht weg negieren oder ignorieren.“
Die Entscheidung des Senats fällt eindeutig aus: Die 26-Jährige wird auf unbestimmte Zeit in einem forensisch-therapeutischen Zentrum untergebracht. „Zur Einweisung gibt es keine Alternative“, begründet der Richter den Beschluss. Weitere Übergriffe auf Kinder im Umland waren im Verfahren gar nicht Gegenstand der Verhandlung.
Dort kam es glücklicherweise zu keinen Verletzungen, mehrere Vorfälle wurden eingestellt.