Die umstrittene Gehaltserhöhung bei der Wirtschaftskammer wurde nach tagelanger Kritik deutlich reduziert. Der ursprünglich für 2026 vorgesehene Anstieg von 4,2 Prozent für die rund 6.000 WK-Mitarbeiter wird nun auf 2,1 Prozent halbiert.
Diese Entscheidung folgte auf massive Kritik von FPÖ, NEOS, Grünen und der Wiener Industriellenvereinigung. Überraschend positiv äußerte sich hingegen vida-Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit, der “das Umdenken der Wirtschaftskammer und ihres Präsidenten ausdrücklich” begrüßte.
Die Belegschaft der Wirtschaftskammer erhielt am Mittwoch die Information über die Halbierung der geplanten Gehaltserhöhung, die nun unter der Inflationsrate liegen wird. WKÖ-Präsident Harald Mahrer verkündete diesen Schritt in mehreren Medien und erklärte im Ö1-“Mittagsjournal”: “In gesamtstaatlich schwierigen Situationen braucht es auch von der Kammer ein Zeichen.” Angesichts der entstandenen “schiefen Optik” habe er ein Machtwort gesprochen.
Der Unmut über die ursprünglich geplante Erhöhung war auch innerhalb der Wirtschaftskammer spürbar geworden. Selbst Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer soll sich trotz gesundheitlicher Einschränkungen persönlich in die Angelegenheit eingeschaltet haben. Sein Missfallen dürfte besonders damit zusammenhängen, dass die Bundesregierung zuvor “die Erhöhung für die Pensionisten gedrückt und den Gehaltsabschluss für die Beamten wieder aufgemacht” hatte. Als Kompromisslösung wurde nun die Halbierung der geplanten Erhöhung auf etwas mehr als zwei Prozent beschlossen.
⇢ Paukenschlag: Hier wird die Gehaltserhöhung rückgängig gemacht!
Verteidigung der Position
Die Wirtschaftskammer hatte ihre Position noch am Montag verteidigt und argumentiert, dass die diesjährige Gehaltsanpassung zeitversetzt erfolge und sich an den Kollektivvertragsabschlüssen der Unternehmen aus dem Vorjahr orientiere, “um die Realitäten der Mitgliedsunternehmen bestmöglich abzubilden”. Diese KV-Abschlüsse hätten im vergangenen Jahr zwischen 5,4 und 9,2 Prozent gelegen.
Im langfristigen Vergleich seien die jährlichen Gehaltserhöhungen für WKÖ-Mitarbeiter deutlich niedriger ausgefallen als in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Dienst. Die durchschnittliche “Faktorerhöhung” in der Wirtschaftskammer habe seit 2015 bei 2,6 Prozent gelegen – und damit unter den KV-Erhöhungen im Handel (3,1 Prozent) oder öffentlichen Dienst (3,2 Prozent) sowie unter der Inflationsrate (VPI: 3,1 Prozent).
⇢ WKO gönnt sich 4,2% Gehaltsplus – Unternehmer kochen vor Wut
Diese “Faktorerhöhung” basiert nicht auf Verhandlungen, sondern auf einer Formel, die Inflation und Tariflohnindex berücksichtigt. Die WKÖ betonte, dass diese Berechnungsmethode 2024 von allen Fraktionen im WKÖ-Präsidium einstimmig beschlossen worden sei.
Mahrer bekräftigte im ORF-Radio seine Absicht, an der Berechnungsformel festzuhalten: “Warum soll man sie aussetzen, (…) wenn die Gehaltsanpassungen immer unter dem Handel, dem öffentlichen Dienst und unter den Metallern waren.”
Regelungen anderer Kammern
Bei der Arbeiterkammer und der Landwirtschaftskammer gelten andere Regelungen für Gehaltsanpassungen. AK-Mitarbeiter erhalten zwischen 2,7 Prozent (alte Dienstverträge) und 2,9 Prozent (neue Dienstverträge) mehr Gehalt, wobei die meisten Beschäftigten bereits neue Verträge haben. Grundlage für die Gehaltsverhandlungen zwischen Betriebsräten und den Präsidien der neun Landesarbeiterkammern ist die rollierende Inflation, in diesem Jahr jene vom April.
In der AK gibt es keine Überzahlungen, sondern einheitliche “Schema-Bezüge”. In der Landwirtschaftskammer wird ein anderer Ansatz verfolgt: Sowohl auf Bundesebene als auch in den meisten Bundesländern werden die Abschlüsse des öffentlichen Dienstes direkt übernommen.
Die LKÖ teilte mit, dass es in einzelnen Länderkammern in den vergangenen Jahren abweichende Regelungen gegeben habe – diese seien jedoch stets nach unten abgewichen.
Folge uns auf Social Media!














