Sieben Jahre Bauzeit, 570 Millionen Euro, 1,5 Millionen Tonnen Gestein – der Karawankentunnel schreibt ein neues Kapitel.
Nach über sieben Jahren Bauzeit wurde am Mittwoch die zweite Röhre des Karawankentunnels für den Verkehr freigegeben. Der rund acht Kilometer lange Grenztunnel stellt die Verbindung zwischen der Karawankenautobahn A11 südlich von Villach und dem slowenischen Autobahnnetz – konkret der Avtocesta 2 Richtung Ljubljana – her. In den österreichischen Abschnitt der neuen Röhre hat die Asfinag 191 Millionen Euro investiert; die Generalsanierung der bestehenden Röhre schlägt mit weiteren 123 Millionen Euro zu Buche.
Gemeinsam mit dem slowenischen Pendant Dars belaufen sich die Gesamtkosten des Vollausbaus einschließlich Generalsanierung auf rund 570 Millionen Euro. Die Europäische Union beteiligte sich mit 3,35 Millionen Euro an der Planung sowie mit 9,4 Millionen Euro an den Baukosten.
Verzögerungen & Technik
Die Fertigstellung der neuen Oströhre verzögerte sich gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan. Auf slowenischer Seite kam es zu Schwierigkeiten bei der Auftragsvergabe, zudem erwiesen sich die hydrogeologischen Verhältnisse – vor allem im slowenischen Abschnitt – als besonders anspruchsvoll. Der österreichische Teil, ausgeführt von der ARGE Swietelsky Tunnelbau GmbH & Co KG und Swietelsky Baugesellschaft m.b.H., war bereits im Herbst 2023 baulich abgeschlossen.
Allein für den österreichischen Abschnitt fielen beim Tunnelausbruch 1,5 Millionen Tonnen Gestein an. Das anfallende Bergwasser – 600 Liter pro Sekunde – wird in einem Kleinwasserkraftwerk genutzt und dient der Stromversorgung des Tunnels.
Die Sicherheitsausstattung der neuen Oströhre wurde seit Mitte 2025 ergänzt. Alle 330 Meter verfügt die Röhre über Querverbindungen zur bestehenden Tunnelröhre, die im Notfall als Fluchtwege genutzt werden können. Mit dem Vollausbau soll der Karawankentunnel den aktuellen Sicherheitsstandards vollständig entsprechen – dies gilt ebenso für Lüftung, Beleuchtung, Verkehrssensorik und Videoüberwachung.
Bei Störungen, etwa infolge eines Unfalls, soll innerhalb weniger Minuten auf temporären Gegenverkehr umgestellt werden können. Zu diesem Zweck werden an den Vorportalen automatisch schwenkbare Betonleitwände installiert.
Betrieb & Maut
Im Anschluss an die heutige Verkehrsfreigabe beginnt die Asfinag nach eigenen Angaben mit den Vorbereitungen für die Verkehrsumlegung. Ab dem 20. März soll der Nordverkehr durch die neue Oströhre geführt werden; spätestens eine Woche später wird auch der Verkehr aus Österreich in Richtung Slowenien von der bisherigen Weströhre in die neue Röhre verlegt und dort im Gegenverkehr abgewickelt. Bis auf Weiteres wird der Tunnel – wie bisher die alte Röhre – zweispurig im Gegenverkehr betrieben.
Eine Änderung dieses Betriebs ist frühestens ab 2029 vorgesehen, wenn die Generalsanierung der alten Röhre abgeschlossen sein soll. Für die Durchfahrt durch den Karawankentunnel fällt weiterhin Maut an. Der derzeitige Tarif von 9,00 Euro pro Pkw bleibt – abgesehen von etwaigen Indexanpassungen – unverändert.
Die bestehende Weströhre des Karawankentunnels entstand zwischen 1986 und 1991. Kurz nach ihrer Inbetriebnahme wurde die Anlage zum Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen: Im Zuge des slowenischen Zehn-Tage-Kriegs im Juni 1991 besetzten Einheiten der jugoslawischen Volksarmee den Tunnel vorübergehend, es kam zu Gefechten, und Kampfjets beschossen das Südportal.
Nach wenigen Tagen gelang es Verbänden der slowenischen Territorialverteidigung, den Grenzübergang zurückzuerobern.