Start NEWS PANORAMA „Notre Dame ist Gottes Strafe“: Serbische Zeitungen ernten heftige Kritik
SCHLAGZEILEN

„Notre Dame ist Gottes Strafe“: Serbische Zeitungen ernten heftige Kritik

Gottes-Strafe-Schlagzeilen-Notre-Dame-Serbien
(FOTO: Wikimedia Commons/ GodefroyParis)

Die teilweise Zerstörung der Kathedrale Notre Dame ließ vorgestern Abend die gesamte Welt gebangt nach Paris blicken. Während hunderte Staaten, Politiker und Medien ihre Solidarität mit Frankreich öffentlich zeigten, schockierten serbische Tabloide mit unprofessionellen Schlagzeilen.

„SIE HABEN GOTTES STRAFE ERHALTEN Das Pariser Heiligtum brennt! Vor nur sechs Monaten haben sie auf ihr DIESES Symbol angebracht und serbische Opfer bespuckt“, so der Titel eines Artikels des serbischen Mediums „Alo!“. Diese Boulevardzeitung war jedoch nicht der Auslöser solcher sehr fraglichen Schlagzeilen.

Nur wenige Minuten davor veröffentlichte der serbische „Informer“, der dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić sehr nah steht, eine ähnliche Schlagzeile. Neben der Erwähnung einer Strafe Gottes stand im Titel: „Franzosen hissten vor sechs Monaten die Flagge des falschen Staates Kosovo in der Kathedrale Notre Dame. NUN ZERSTÖRT SIE EIN FLAMMENMEER“

Artikel nach Vučićs Tweet gelöscht
Der Beitrag im „Informer“ war jedoch circa eine Stunde online und wurde kurz, nachdem der serbische Präsident einen Tweet über Notre Dame veröffentlichte, wieder von der Website genommen. Darin schreibt Vučić: „Alle Bürger Serbiens sind traurig wegen Notre Dame. Wir sind bei unseren französischen Freunden und bereit, beim Wiederaufbau dieses Symbols Frankreichs und der Weltzivilisation zu helfen.“

Shitstorm aus eigenen Reihen
Diese beiden Texte serbischer Medien verbreiteten sich angesichts der Aktualität des Themas wie ein Lauffeuer am Balkan. Gleichzeitig wurden auch französische und andere Medien Westeuropas auf diese Art der Berichterstattung aufmerksam.

Der serbische Botschafter in Frankreich befürchtet, dass solche Beträge serbischer Boulevardzeitungen Serbien immens schaden könnten. Noch bevor die französischen Medien auf die Texte im „Alo!“ und „Informer“ aufmerksam wurden, äußerte sich die serbische Journalistin Vesna Mališić besorgt darüber, dass diese Schlagzeilen eine Welle der Kritik in der ganzen Welt auslösen könnten.

Gleichzeitig wurden Screenshots der Artikel tausendfach auf Facebook, Twitter und Co. geteilt. Die User vom Balkan bezeichnen in ihren Posts die Schlagzeilen als beschämend und moralisch, bzw. ethisch unvertretbar.

Französisches Medium reagiert
Ein erstes Signal, dass „Gottes Strafe“-Texte bereits in Frankreich angekommen sind, ist ein Artikel des französischen Mediums „Le Figaro“.

„Das Feuer von Notre-Dame de Paris ist eine ‚göttliche Strafe‘, schreiben zwei serbische Boulevardblätter und erinnern daran, dass zur Zeit des hundertjährigen Waffenstillstands von 1918 eine Flagge des Kosovo in der Kathedrale gehisst worden sei“, ist dem Artikel zu entnehmen.

Laut „Le Figaro“ habe neben der Flagge noch einen weiteren „Streitpunkt“ mit Serbien gegeben. Die Medien des Balkanlandes hätten aufs Schärfste bekrittelt, dass der kosovarische Präsident Hashim Thaci am 11. November – dem französischen Feiertag, der an den Waffenstillstand erinnert – einen Platz auf der Tribüne hatte, während sein serbischer Amtskollege Aleksandar Vučić in einer Nebengalerie saß.