Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen berichten, dass Russland die Einfuhr einer außergewöhnlichen Treibstofflieferung vorbereitet. Bei der Ware handelt es sich um Kerosin japanischer Herkunft, das über Zwischenhändler nach Russland gebracht werden soll. Hintergrund ist eine zunehmend angespannte Versorgungslage, die durch ukrainische Angriffe auf russische Energieinfrastruktur weiter verschärft wird.
Laut Reuters umfasst die geplante Lieferung mindestens 200.000 Barrel Flugzeugtreibstoff. Als Verladeort ist der japanische Hafen Chiba in der ersten Julihälfte vorgesehen, bevor die Fracht zunächst nach Südkorea und von dort weiter nach Russland transportiert werden soll.
Heikle Transportroute
Bereits die Transportroute macht deutlich, wie heikel das Geschäft ist. Den Angaben zufolge soll die Lieferung zunächst Südkorea anlaufen, wo in der Nähe des Hafens Yeosu ein Schiff-zu-Schiff-Transfer stattfinden könnte. Erst nach diesem Zwischenschritt soll der Tanker Kurs auf Russland nehmen.
Wohin genau die Lieferung letztlich geht, ist bislang nicht bekannt. Auch die beteiligten Händler wurden nicht identifiziert. Die Informanten baten um Anonymität, da sie nicht befugt waren, öffentlich über den Vorgang zu sprechen.
Das russische Energieministerium ließ eine Anfrage zunächst unbeantwortet. Ebenso äußerten sich die zuständigen Behörden in Japan und Südkorea vorerst nicht. Für Russland ist der geplante Import in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Das Land zählt zu den bedeutenden Produzenten und Exporteuren von Ölprodukten, dennoch setzen die wiederholten ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien und Kraftstofflager die inländische Versorgung zunehmend unter Druck.
Engpässe im Inland
In verschiedenen russischen Regionen sind bereits Einschränkungen beim Kraftstoffverkauf spürbar. Nach Medienberichten haben bis Ende Juni 2026 mindestens 25 russische Regionen den Verkauf von Benzin und Diesel eingeschränkt, wobei Schätzungen zufolge etwa ein Drittel bis die Hälfte der russischen Bevölkerung von diesen Rationierungen betroffen ist. Der russische Ölkonzern Tatneft hat an seinen rund 800 Tankstellen landesweit Obergrenzen eingeführt, sodass Privatpersonen pro Tankvorgang maximal 30 Liter Benzin oder 60 Liter Diesel kaufen dürfen.
Autofahrer sind mit Abgabebegrenzungen konfrontiert, während aus der Landwirtschaft Warnungen laut werden, wonach die Ernte durch die Engpässe gefährdet sein könnte.
Wie außergewöhnlich solche Importe sind, verdeutlichen Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler: Die letzte vergleichbare Einfuhr von Flugzeugtreibstoff nach Russland datiert demnach auf den Februar 2022, als rund 22.000 Barrel aus dem südkoreanischen Yeosu nach Wladiwostok verschifft wurden.
Zeitgleich ist Russlands Export von Flugzeugtreibstoff deutlich zurückgegangen. Laut Kpler liegt die tägliche Ausfuhrmenge in diesem Jahr bei rund 13.000 Barrel, wobei die Türkei als wichtigster Abnehmer gilt.
Im Vorjahr hatte Russland noch etwa 30.000 Barrel Kerosin täglich ins Ausland exportiert.