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Gesundheitsalarm

Pilz Candidozyma auris: So gefährlich ist der neue Hefepilz und das sind seine Symptome

Pilz Candidozyma auris: So gefährlich ist der neue Hefepilz und das sind seine Symptome
FOTO: iStock/TopMicrobialStock
5 Min. Lesezeit |

Ein hartnäckiger Hefepilz breitet sich in Kliniken aus. Während die Fallzahlen sprunghaft ansteigen, fordern Experten erweiterte Meldepflichten und strikte Isolationsmaßnahmen.

Der gefährliche Pilz Candidozyma auris verzeichnet einen besorgniserregenden Anstieg. Wie aus einer neuen Erhebung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten hervorgeht, wurden zwischen 2013 und 2023 insgesamt 120 Infektionsfälle dokumentiert. Beunruhigend daran: Mehr als die Hälfte davon trat allein im vergangenen Jahr auf. Nach vergleichsweise niedrigen Zahlen in den Vorjahren – jeweils zwölf Fälle in 2021 und 2022 – schnellte die Zahl 2023 auf 77 Fälle hoch. Mehrere Ausbrüche in Krankenhäusern sind laut ECDC für diesen sprunghaften Anstieg verantwortlich.

Wissenschaftler fordern angesichts dieser Entwicklung verstärkte Präventionsmaßnahmen und eine umfassendere Meldepflicht. Aktuell müssen nur Infektionen mit dem Pilz gemeldet werden, nicht aber Fälle, in denen der Erreger etwa symptomlos auf der Haut nachgewiesen wird. Seit 2023 besteht zwar eine Meldepflicht für Candidozyma auris, diese beschränkt sich jedoch auf invasive Varianten des Pilzes, die tatsächlich Erkrankungen auslösen. Laut ECDC stammten viele der am Nationalen Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen untersuchten Proben von Patienten, die zwar vom Pilz besiedelt waren, aber keine Symptome entwickelten. Nach Schätzungen von Kurzai betrifft dies in Deutschland etwa 80 Prozent der Fälle.

Der Pilz stellt aus zwei wesentlichen Gründen ein Gesundheitsrisiko dar: Im Unterschied zu verwandten Arten ist er hochansteckend und kann sich – ohne rechtzeitige Hygienemaßnahmen und Isolation Betroffener – besonders in klinischen Einrichtungen rasch verbreiten. Zudem hat der Erreger im Laufe der Zeit zahlreiche Resistenzen gegen antimykotische Medikamente entwickelt. Dies erhöht nicht nur das Risiko für die einzelnen Erkrankten, sondern begünstigt auch seine weitere Ausbreitung. Die amerikanische Seuchenschutzbehörde stuft Candidozyma auris daher als „dringliche Gefahr“ für die öffentliche Gesundheit ein.

Der Hefepilz Candidozyma auris (C. auris) wurde erstmals 2009 im Ohr einer japanischen Patientin entdeckt – daher auch sein Name „auris“, lateinisch für Ohr. Seine genaue Herkunft ist bis heute ungeklärt. Der Pilz siedelt sich bevorzugt auf der menschlichen Haut an, was zunächst keine Symptome verursacht. Gelingt es dem Immunsystem jedoch nicht, den Erreger zu kontrollieren, kann er sich im Körper ausbreiten und in die Blutbahn eindringen. Eine solche Infektion äußert sich unter anderem durch hohes Fieber und kann unter bestimmten Umständen lebensgefährlich verlaufen – wenngleich in Deutschland bislang keine Todesfälle durch Candidozyma auris registriert wurden.

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Übertragungswege und Risiken

Der ECDC-Bericht hebt hervor, dass der Pilz lange auf verschiedenen Oberflächen überleben und durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Eine Übertragung über die Luft findet hingegen nicht statt. „Für Menschen mit gesundem Immunsystem stellt Candidozyma auris in der Regel keine Gefahr dar“, erklärt Prof. Dr. Birgit Willinger von der Medizinischen Universität Wien. Bei vielen Menschen sei der Pilz bereits auf der Haut vorhanden, verursache jedoch keine Probleme, solange das Immunsystem normal funktioniert.

Bei eingeschränkter Immunabwehr kann der Pilz jedoch gefährlich werden. Besonders gefährdet sind schwerkranke Patienten auf Intensivstationen, Krebspatienten oder Menschen, deren Immunsystem durch andere Erkrankungen oder Medikamente geschwächt ist. Auch Bewohner von Pflegeheimen mit Kathetern, Beatmungsschläuchen oder Magensonden gehören zur Risikogruppe.

Grundsätzlich kann sich jeder Mensch infizieren, wobei die meisten Ansteckungen in Kliniken erfolgen. Dr. Tim Eckmanns, Leiter des Fachgebiets Nosokomiale Infektionen am Robert Koch-Institut, betont bei einem Pressebriefing des Science Media Centers, dass bereits ein einziger nachgewiesener Fall zur sofortigen Isolation von Patienten führen müsse. Prof. Dr. Oliver Kurzai vom Nationalen Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen sieht vor allem die Übertragung durch Schmierinfektion zwischen Patienten oder über das Personal als problematisch an. „Medizinprodukte, die am Patienten eingesetzt werden, sind jedoch das wichtigste Übertragungsvehikel“, erklärt er. Diese Geräte seien oft schwer zu desinfizieren.

Besondere Herausforderungen entstehen, wenn infizierte Gegenstände nicht entfernt werden können. „Eine Gelenkprothese lässt sich nicht einfach ausbauen“, erläutert Kurzai. In solchen Fällen müssten Patienten lebenslang Medikamente einnehmen, um den Pilz zu kontrollieren, ohne ihn vollständig eliminieren zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass Kontaktpersonen laut Eckmanns erst nach vier bis fünf Wochen positiv auf den Pilz getestet werden können.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Experten weisen neben Infektionen in deutschen Kliniken auch auf mögliche Ansteckungen durch Reisen in Risikogebiete hin, wo Urlauber etwa bei Krankenhausaufenthalten mit dem Pilz in Kontakt kommen könnten. Laut ECDC entfällt ein Großteil der europäischen Fälle auf südeuropäische Länder. In Indien sei der Pilz bereits endemisch, so Willinger.

Eine Infektion mit Candidozyma auris verursacht typischerweise Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl. Die Behandlung erfolgt idealerweise mit gezielten Antipilzmitteln. „Hierfür stehen drei Klassen von Medikamenten zur Verfügung. Die behandelnden Ärzte müssen im Einzelfall ermitteln, welche Wirkstoffe gegen den spezifischen Pilzstamm noch wirksam sind“, erläutert Prof. Dr. Jürgen Wendland von der Hochschule Geisenheim. „In Deutschland sind glücklicherweise die meisten Candidozyma auris-Stämme noch gut behandelbar“, betont Oliver Kurzai. Für schwer therapierbare Stämme gebe es zudem neue Antipilzmittel aus der klinischen Entwicklung, die im Notfall eingesetzt werden könnten, was bisher jedoch nie erforderlich war. „Nach heutigem Stand muss niemand befürchten, dass wir einem Erreger gegenüberstehen, für den keine Behandlungsmöglichkeiten mehr existieren“, versichert Kurzai.

„Derzeit haben wir zwei größere Ausbrüche, die beide noch andauern“, berichtet Kurzai. Schon vor Veröffentlichung des ECDC-Berichts hatte er betont, dass der Anstieg der Fallzahlen in Deutschland einen tatsächlichen Zuwachs darstelle und nicht nur auf eine verbesserte Erfassung zurückzuführen sei. Wissenschaftler plädieren daher für eine Ausweitung der Meldepflicht, um die Ausbreitung von Candidozyma auris einzudämmen – auch weil es aufgrund der Übertragungswege und Resistenzen langwierig sein kann, bestehende Ausbrüche unter Kontrolle zu bringen.

Trotz der zunehmenden Verbreitung von Candidozyma auris besteht kein Grund zur Beunruhigung. „Es handelt sich nicht um eine lebensbedrohliche Angelegenheit für die Allgemeinbevölkerung“, unterstreicht Birgit Willinger und mahnt zur Besonnenheit.

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KO KOSMO-Redaktion
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