Während die Lebensmittelkosten in Bosnien und Herzegowina explodieren, verschärft sich die soziale Kluft. Pensionisten trifft die Preisspirale besonders hart.
Die Kluft wächst
Eine vierköpfige Familie in Bosnien und Herzegowina muss heute monatlich 1.424 Konvertible Mark (KM) allein für Lebensmittel aufbringen – ein drastischer Anstieg um 400 KM innerhalb von nur drei Jahren. Für Wohnkosten und kommunale Dienstleistungen fallen zusätzlich 463 KM an. Diese nüchternen Zahlen verdeutlichen die dramatische Preisentwicklung, die viele Haushalte an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten bringt.
Der tägliche Einkauf wird für immer mehr Menschen zur Rechenaufgabe. “Für ein ordentliches Mittagessen benötigt man heute 50 KM, früher waren es gerade einmal 20 KM. Die Preise haben sich mehr als verdoppelt“, berichten betroffene Bürger. Besonders hart trifft es die ältere Generation, vor allem Pensionisten, die oft nur durch finanzielle Unterstützung ihrer im Ausland lebenden Kinder über die Runden kommen.
“Nach Abzug der Fixkosten – 250 KM für Gas, dazu Strom und Fernsehen – ist bereits die Hälfte der Pension weg. Wie soll man bei diesen horrenden Preisen noch leben?”, klagt ein Rentner. Ein anderer Bürger ergänzt: “Wer bei einem fairen Arbeitgeber beschäftigt ist, kommt irgendwie durch. Aber die Älteren haben es schwer. Eine Mittelschicht existiert in Bosnien und Herzegowina nicht mehr, von Gerechtigkeit ganz zu schweigen.” Die Pensionisten werfen der Regierung vor, ihre Bedürfnisse vollständig zu ignorieren.
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Ignorierte Steuerzahler
Haso Halilovic, Vorsitzender des Verbands der Pensionistenvereine des Kantons Tuzla, bringt es auf den Punkt: “Politiker wirtschaften nicht mit eigenem Geld, sondern mit Steuergeldern. Dabei sind gerade die 462.000 Pensionisten mit ihrem jährlichen Konsum von sechs bis sieben Milliarden KM die größten Beitragszahler zum Staatshaushalt.” Wirtschaftsexperten sprechen mittlerweile von “zwei Bosnien und Herzegowinas” – einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung zwischen der verarmten Mehrheit und einer kleinen Schicht extrem Wohlhabender.
Düstere Aussichten
“Ohne grundlegende Änderungen müssen wir mit weiteren Preissteigerungen rechnen”, warnt Wirtschaftsanalyst Igor Gavran. “Die Behörden haben bisher nichts unternommen, um die Inflation zu bremsen – im Gegenteil: Bei Strom und kommunalen Dienstleistungen haben sie die Preiserhöhungen sogar aktiv vorangetrieben.” Die Aussichten sind düster: Allein der Fleischpreis wurde in den vergangenen zwei Monaten dreimal angehoben, was die Kaufkraft der Bevölkerung weiter schwächt.
Die gesellschaftliche Realität zeigt sich in einem schmerzhaften Kontrast: Während eine kleine Minderheit in Wohlstand lebt, müssen immer mehr Menschen Kredite aufnehmen, nur um ihre grundlegenden Lebenshaltungskosten decken zu können.
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