Ralf Rangnick hat entschieden – 26 Namen, ein Ziel: die WM. Für manche ist es ein Traum, für andere ein bitteres Erwachen.
Erstmals seit 28 Jahren steht Österreich wieder bei einer Fußball-Weltmeisterschaft auf der großen Bühne – und das ganze Land dreht durch. Teamchef Ralf Rangnick machte am Montag Punkt 15 Uhr Schluss mit der Warterei: Der 26-Mann-Kader für die WM in Nordamerika ist offiziell, die Namen sind bekannt, der Traum wird Wirklichkeit.
Knappe Kader-Entscheidungen
Besonders heiß war das Gerangel in der Abwehr. Rund um den ÖFB-Campus in Wien herrschte bis zuletzt Hochspannung, denn Rangnick musste gerade in der Innenverteidigung knallharte Entscheidungen fällen. Den entscheidenden Schritt nach vorne machte David Affengruber vom FC Elche – der Legionär ist dabei.
Deutlich bitterer endete der Tag für Maximilian Wöber und Gernot Trauner: Die beiden zuletzt verletzungsgeplagten Abwehrspieler stehen nur auf Abruf bereit und verpassten den Sprung in den endgültigen Kader. Michael Svoboda hingegen darf sich erneut ein WM-Ticket sichern, ebenso wie Alessandro Schöpf.
Für Diskussionsstoff sorgte Rangnick auch auf der Torhüterposition. Als dritter Keeper vertraut der Teamchef auf Florian Wiegele von Viktoria Pilsen – der 2,05-Meter-Hüne verdrängt Tobias Lawal. Das Torhüter-Trio komplettieren Alexander Schlager und Patrick Pentz.
Für Lawal ist es bereits das zweite Mal, dass er leer ausgeht: Bei der EM 2024 hatte Rangnick Rapids Niklas Hedl als Nummer drei vorgezogen. Im März warfen ihn Adduktorenprobleme aus dem Rhythmus, seither hat der Genk-Profi nach wochenlanger Verletzungspause kein Pflichtspiel mehr absolviert.
Im Angriff setzt Rangnick auf Bewährtes – ohne zusätzliche Optionen wie Werder Bremens Marco Grüll, Rapid-Talent Nikolaus Wurmbrand oder Belgien-Legionär Raul Florucz. Das Sturmtrio steht fest: Rekordnationalspieler Marko Arnautovic, WM-Quali-Torschütze Michael Gregoritsch – und Sasa Kalajdzic, der als frischgebackener LASK-Meister in die Vorbereitung startet.
WM-Countdown läuft
Eigentlich hätte Rangnick seinen Kader erst am 1. Juni bei der FIFA einreichen müssen – doch der Teamchef handelt früher. Mit der bewussten Entscheidung für nur 26 Spieler erspart er seinem Team ein spätes Drama kurz vor dem Abflug. Niemand soll nach tagelangem Hoffen und Bangen am ÖFB-Campus noch den bitteren Anruf erhalten: „Du bist nicht dabei!“
Damit läuft der WM-Countdown für David Alaba und seine Teamkollegen auf Hochtouren. Am 27. Mai trifft sich das Nationalteam in Wien-Aspern, bereits am Folgetag beginnt die intensive Vorbereitung auf dem Trainingsplatz. Nach dem letzten Heimtest gegen Tunesien am 1. Juni bleibt noch ein kurzer Moment zum Durchatmen –
dann hebt am 4. Juni der Flieger Richtung Los Angeles ab.