Eine Geste, zwei Deutungen – und ein Schiedsrichter im Zentrum eines weltweiten Sturms. Die WM steht plötzlich vor einer brisanten Grundsatzfrage.
Mitten in der Fußball-WM 2026 gerät ein Schiedsrichter ins Kreuzfeuer der Kritik. Der australische Video-Referee Shaun Evans soll während der Partie zwischen Deutschland und Curaçao (7:1) eine Geste gezeigt haben, die in rechtsextremen Kreisen als „White Power“-Symbol gilt. Zu sehen war Evans dabei in der TV-Übertragung im VAR-Raum – wie er Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis formte und die drei verbleibenden Finger ausstreckte. Das Zeichen kann als klassische „Okay“-Geste gelesen werden, wird aber auch von Neonazi-Gruppen als Erkennungssymbol eingesetzt.
Scharfe Verurteilung
Das Antidiskriminierungsnetzwerk Fare hat den Vorfall scharf verurteilt und die Geste eindeutig eingeordnet. In einer Stellungnahme heißt es: „Ein weltweites Fernsehpublikum sollte nicht damit konfrontiert werden, dass rechtsextreme Personen Neonazi-Symbole verwenden.“ Fare fordert, dass Evans bei der laufenden WM nicht mehr eingesetzt wird.
In den sozialen Medien entbrannte unmittelbar nach der Ausstrahlung eine heftige Debatte. Nutzerinnen und Nutzer diskutierten, ob Evans bewusst ein rechtsextremes Zeichen setzte oder ob es sich um eine unbedachte Alltagsgeste handelte. Die Fifa nahm den Vorfall zur Kenntnis – ließ eine weitergehende Einschätzung jedoch zunächst offen. Auch Evans selbst schwieg.
🚨LAMENTABLE🚨
La comisión de árbitros de FIFA seguramente no pasará por alto el gesto del árbitro VAR australiano Jhon Evans.
Muchos señalan que es un simbolo de Supremacía Blanca. 👌
Seguramente no lo veremos más en juegos del mundial. pic.twitter.com/JDE1acNVih
— El Cantante Guerrero (@cantantearbitro) June 15, 2026
Historischer Bezug
Die Symbolik hat einen konkreten historischen Bezugspunkt. Der rechtsextreme Australier Brendon Tarrant zeigte dieselbe Geste 2019 vor Gericht – kurz nachdem er für den Mord an 51 Menschen in zwei Moscheen in Christchurch, Neuseeland, verurteilt worden war. Seither gilt das Zeichen in bestimmten Kreisen als Bekenntnis zur „White Supremacy“-Ideologie.
Evans pfeift regulär in der australischen ersten Liga. Auf den Fernsehbildern ist die Geste deutlich erkennbar: Die drei ausgestreckten Finger lassen sich in der Symbolik rechtsextremer Gruppen als „W“ lesen, Zeigefinger und Daumen bilden das „O“ – zusammen ergibt sich „WO“, kurz für „White Power“.