Ein Rekord, den niemand wollte: Der Juni 2026 hat in Österreich tödliche Spuren hinterlassen – und die Zahlen sprechen eine klare Sprache.
Rund 400 Menschen sind in Österreich im vergangenen Juni infolge extremer Hitze ums Leben gekommen. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat die hitzeassoziierte Sterblichkeit in diesem Jahr erstmals bereits während des laufenden Sommers geschätzt und kommt für den Juni 2026 auf 395 Todesfälle. Damit wurde der bisherige Höchstwert für einen Juni in den vergleichbaren Erhebungen seit 2017 deutlich übertroffen, wie das Gesundheitsministerium am Samstag in einer Aussendung mitteilte.
„Die Zahl von 395 hitzeassoziierten Todesfällen ist erschütternd. Sie zeigt eindringlich, dass Hitze längst keine bloße Frage des Wohlbefindens mehr ist, sondern eine konkrete Gefahr für Gesundheit und Leben. Die Folgen des Klimawandels werden auch in Österreich immer deutlicher sichtbar und stellen unser Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen“, betonte Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) in der Aussendung.
Dass eine wissenschaftlich fundierte Auswertung der hitzebedingten Sterblichkeit bereits im laufenden Sommer vorliegt, ist ein Novum. „Mir war wichtig, dass wir die gesundheitlichen Auswirkungen außergewöhnlicher Hitzeperioden nicht erst Monate später beurteilen können. Wir brauchen möglichst aktuelle wissenschaftliche Daten, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, Schutzmaßnahmen laufend zu bewerten und dort nachzuschärfen, wo es notwendig ist“, erläuterte Schumann.
Rekordtemperaturen im Juni
Die außergewöhnlich hohe gesundheitliche Belastung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den extremen Temperaturen, die der Juni 2026 mit sich brachte. Laut Daten der Geosphere Austria wurde an rund der Hälfte aller Wetterstationen zumindest einmal die 35-Grad-Marke erreicht oder überschritten. An 46 Stationen wurden Tageshöchstwerte von mindestens 38 Grad gemessen, an 15 Stationen sogar 39 Grad oder mehr.
Wien verzeichnete am 28. Juni mit 40,0 Grad einen neuen Hitzerekord für die Bundeshauptstadt, Bad Deutsch-Altenburg stellte am darauffolgenden Tag mit 40,1 Grad einen neuen österreichweiten Spitzenwert für einen Juni-Tag auf.
Zum Vergleich: Der bisherige Negativrekord für einen Juni stammte aus dem Jahr 2019, als die AGES 335 hitzeassoziierte Todesfälle schätzte. Im Juni des Vorjahres wurden 170 Hitzetote verzeichnet, im Juni 2024 waren es geschätzt 201. Den Berechnungen liegt ein wissenschaftliches Modell der AGES zugrunde, das anhand von Sterbe- und Wetterdaten statistisch ermittelt, wie viele zusätzliche Todesfälle auf die außergewöhnliche Hitzebelastung zurückzuführen sind.
Für den gesamten Sommerzeitraum von Juni bis September des Vorjahres belief sich dieser Wert auf 449 Hitzetote; im heißeren Sommer 2024 wurden geschätzte 989 hitzebedingte Todesfälle verzeichnet – der höchste Wert in den Daten seit 2017.
Schutzmaßnahmen & Prävention
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen unter anderem in die Weiterentwicklung des Nationalen Hitzeschutzplans, die Informationsangebote für die Bevölkerung sowie bestehende Präventionsmaßnahmen einfließen. Bereits während der Hitzewelle Ende Juni bis Anfang Juli hatten das Gesundheitsministerium und weitere Fachstellen über die außergewöhnlichen Belastungen informiert und dazu aufgerufen, insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere, Menschen mit Behinderungen, Säuglinge und Kleinkinder sowie deren Angehörige und Betreuungspersonen Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
In die Berechnung der hitzeassoziierten Sterblichkeit wurden bewusst sogenannte Lag-Effekte (verzögerte Auswirkungen) über einen Zeitraum von bis zu rund drei Wochen einbezogen. Hohe Temperaturen können bestehende Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Nieren- oder andere Erkrankungen verschlechtern und dadurch auch noch Tage oder Wochen nach einer Hitzeperiode zu gesundheitlichen Komplikationen beitragen. Eine Schätzung unmittelbar nach dem Ende einer Hitzewelle ist aus diesem Grund nicht möglich.
Die abschließende Auswertung der AGES für den gesamten Sommer 2026 wird voraussichtlich im Oktober vorliegen.