Robert Gulla: „Wir wollen die Gesellschaft fördern“

INTERVIEW

Robert Gulla: „Wir wollen die Gesellschaft fördern“

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Robert Gulla
FOTO: Christopher Glanzl

INTERVIEW. Der russische Öl-Magnat Lukoil verstärkt weltweit immer mehr sein soziales Engagement. Der Österreich-Geschäftsführer Robert Gulla erzählt uns über die vielfältigen Aktivitäten des Konzerns.

Als wir in der österreichischen Lukoil-Zentrale in unmittelbarer Nähe zum Schwerzenbergplatz ankommen, werden wir nicht nur freundlich von zwei Damen begrüßt. Nein, wir merken auch sofort, dass in einem der weltgrößten Unternehmen (Forbes, 98. Platz, 2017) die Muttersprache des Konzerns dominiert – Russisch.

Russisch in Teenager-Jahren zu lernen begann auch der geborene Wiener Robert Gulla, der heute Geschäftsführer der LUKOIL Holding GmbH in Österreich ist. Mit uns sprach Gulla über sein Abenteuer Russland, die riesigen Investionen des Konzerns in den Wirtschafsstand-ort Österreich, aber auch die vielfältigen sozialen Aktivitäten – sowohl des Konzerns als auch von ihm selbst.

KOSMO: Wie kam es dazu, dass sie Russich lernten und im Schüleraustausch nach Moskau gingen? Gab es davor schon familiär einen Russland-Bezug?
Gulla: Nein, gar nicht, ich bin geborener Wiener. Als es im Schottengymnasium die Mög-lichkeit gab zwischen Französisch, Alt-Griechisch und Russisch zu wählen, fand ich Russisch am spannendsten. „Die Sowjetunion ist ein geschlossenes Land, da wird nie was möglich sein“, sagten viele damals und fragten mich, wieso ich ausgerechnet Russisch gewählt habe. Der Schüleraustausch in den russischen Gastfamilien in Moskau hat jedoch meine Affinität für Russland nur gestärkt.

Und wie verlief der Weg bis zur Anstellung in der LUKOIL?
Nach dem Studium habe ich in einer Anwaltskanzlei in Wien gearbeitet, die viele russische Kunden hatte. Irgendwann kam dann das Angebot von LUKOIL. Seitdem spreche ich tatsächlich jeden Tag Russisch (lacht).

Robert Gulla
FOTO: Christopher Glanzl

Mit dem Bau des Werkes in der Lobau und der Kapitalerhöhung von 6,2 Milliarden Euro (2017) hat LUKOIL ein klares Bekentnnis zum Standort Österreich abgegeben. Gleichzeitig ist das Unternehmen hierzulande auch sozial sehr engagiert. Wie kam es dazu?
Wir sind stolz, dass Österreich uns seit über 20 Jahren ein stabiles und sicheres Umfeld für unsere internationalen Aktivitäten bietet. Dafür wollen wir neben den Investitionen und den Arbeitsplätzen, die wir schaffen, auch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Seit Jahren nehmen wir unsere Verantwortung als global agierendes Unternehmen war und haben uns 2015 auch zu den „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen bekannt. Darin sind 17 Ziele enthalten, angefangen von gleichem Zugang zur Bildung, Gleichberechtigung, Bekämpfung von Diskriminierung, Armut, usw. Dazu gehören nicht nur Maßnahmen wie der Bau einer Solaranlage und Schiffsanlegestelle im LUKOIL-Werk in der Lobau, die uns 500 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Sondern eben auch soziales Engagement.

Was tun sie konkret in Österreich?
LUKOIL ist z.B. Hauptsponsor des Projekts „Social City Wien“, einer groß angelegte Platt-form für gesellschaftliche und soziale Innovation. Ebenso unterstützen wir seit Jahren den Redewettbewerb „Sag’s multi“, der SchülerInnen darin bestärken soll, stolz auf ihre eigene Muttersprache zu sein. Interessensfeld unserer Aktivitäten sind auch Jugendliche mit speziel-len Bedürfnisssen, ob das nun Jugend am Werk ist oder der Club behinderter Menschen und deren Freunde, mit dem wir viel zusammenarbeiten. An der Montan-Uni in Leoben vergeben wir Stipendien.

Wie sehr haben sie Einblick in die Aktivitäten am Balkan?
Ich habe mir gestern vor dem heutigen Termin mit Ihnen Informationen von meiner serbischen Kollegin schicken lassen. Einige Sachen wusste ich, aber nicht alles. In Serbien unterstützen wir viele Kultur-Events wie die „Belgrader Tage“, das internationale Film-Festival „FEST“, aber auch das Kinderbuch-Magazin „Politikin zabavnik“. Die Schule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen in Zemun wird von uns finanziell gestützt. In Kroatien sieht es ähnlich aus: Dort unterstützen wir Schulen in Vukovar mit neuen Computern, Stipendien, aber auch das „Zentrum für Frieden und Toleranz“ mit Spenden. Ebenso helfen wir den jugendorientierten Projekten wie „Mirno More“ oder dem Projekt „Calmsea“, welches sozial schwache Kinder aus Slowenien, Kroatien, Österreich, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien verbindet.

Sie selbst haben als Privatperson mit ihren eigenen Geldern 2014 den Verein Spring-board gegründet, um Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen bei der Arbeitssuche zu helfen. Wie kam es dazu?
Wir haben bei dem Verein Wirtschaft für Integration viele junge Menschen kennenglernt, die Unterstützung gebraucht haben. Dann kam die Idee, dass auch zu institutionalisieren und wir konnten auf die Unterstützung der städtischen Organisationen, des Integrationshauses und anderer Partner zählen. Wir versuchen tatkräftig und unkompliziert zu helfen, maßgeschnei-derte Lösungen für die jeweilige Person zu finden. Es kann sich dabei um einen Deutschkurs um 200 Euro handeln oder aber auch um eine Ausbildung zum Rettungssanitäter um 2.000 Euro. Im Durschnitt vermitteln wir im Jahr um die 30 bis 40 Praktika, 10 fixe Jobs, 10 Lehr-stellen und 20 Stipendien.

Unter den Arbeitssuchenden bei Ihnen sind auch viele Flüchtlinge. Wie wichtig ist ihnen die Flüchtlingshilfe?
Wenn jemand einen positiven Asylbescheid hat und bei uns längerfristig bleiben wird, dann sollte man den- oder diejenige schnellstmöglich integrieren. Meine Erfahrung ist, dass die überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge unbedingt arbeiten und sich selbst erhalten will.