Im Zentrum der politischen Diskussionen um die Grünen steht erneut Lena Schilling, deren Ambitionen auf die Spitzenkandidatur bei der kommenden Europawahl für Aufsehen sorgen.

Berichte deuten auf mögliche Brüche und Unstimmigkeiten innerhalb der Partei hin, die durch Schillings Überlegungen, möglicherweise nach der Wahl die Fraktion zu wechseln, angeheizt werden.
Entstehung politischer Spannungen
Die erste Welle der Unruhe wurde durch eine Berichterstattung des „Standard“ ausgelöst, in der behauptet wird, Lena Schilling habe eine ausgeprägte Abneigung gegen die Grünen, die Partei, unter deren Banner sie in die EU-Wahlen zieht. Eine nicht namentlich genannte nahe Vertraute Schillings wird als Hauptquelle dieser brisanten Informationen genannt. Die Aussage wurde sogar eidesstattlich bezeugt.
„Diese Pläne wurden detailliert besprochen, unter anderem ging es um die Frage, wie viel Budget ihr dann für die Kampagnen bliebe, wenn sie die Grünen verlasse“, zitierte der „Standard“.
Chatnachrichte Ende Jänner
In einer Chatnachricht aus dem Ende Jänner 2024 hat Schilling Äußerungen getätigt, die auf ihre Bestrebungen hinweisen, unabhängig von der Parteientscheidung ihre Ziele durchzusetzen: „…dann bin ich gewählt, und die Grünen können nichts mehr machen muhahha“. Dies deutet auf eine gewisse Distanzierung von der Parteilinie hin.
Reaktionen und Dementi
Auf Nachfragen hin hat Schilling solche Überlegungen zum Fraktionswechsel gegenüber dem „Spiegel“ verneint und betont, Berichte über ihre angebliche Unzufriedenheit und Planungen zum Parteiwechsel seien unzutreffend. Sie behauptet, dass die Gerüchte von „Freundinnen“ aus anderen Parteien in die Welt gesetzt wurden, um ihr zu schaden. Trotz ihres Dementis legen Berichte ihre tiefgreifenden Differenzen mit den Grünen offen, unter anderem in einem Chat, in dem sie behauptet, so viel Hass auf die Partei zu empfinden wie nie zuvor. Diese Aussagen erfolgten kurz vor offiziellen Verhandlungen über ihre Spitzenkandidatur, was ihre ambivalente Haltung zu ihrer eigenen Partei weiter unterstreicht.
Persönliche Einstellung zu den Grünen
Die Kandidatin, die aus einer Familie mit sozialistisch-kommunistischem Hintergrund stammt und in der Wiener Linken groß geworden ist, räumt ein, anfänglich Vorbehalte gegenüber den Grünen gehabt zu haben. Ihre jüngsten Äußerungen deuten jedoch auf eine Annäherung an die Partei hin, welche durch den Prozess ihrer Kandidatur verstärkt wurde. Schilling betont, die grünen Positionen inzwischen „ins Herz geschlossen“ zu haben, distanziert sich aber gleichzeitig von Positionen der Linksfraktion.
Macht sie alles nur fürs Geld?
Für die Umweltaktivistin Schilling steht nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich viel auf dem Spiel. Sollte sie ein Mandat im EU-Parlament erringen, erhält sie fünf Jahre lang ein monatliches Gehalt von 10.075,18 Euro brutto – im Vergleich zu einer heimischen Nationalratsabgeordneten jedoch nur 12 statt 14 Mal im Jahr. Zusätzlich gibt es einen Spesentopf. Innerhalb von fünf Jahren könnte sie so insgesamt 605.000 Euro verdienen.