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Diskriminierung

Stillen: Mann wirft Frau sexuelle Belästigung vor

Stillen: Mann wirft Frau sexuelle Belästigung vor
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5 Min. Lesezeit |

Die weibliche Brust wird zum gesellschaftlichen Streitpunkt, wenn ein Baby gestillt werden muss. Jeder fünfte Österreicher lehnt öffentliches Stillen grundsätzlich ab.

Während Männer im Sommer problemlos oberkörperfrei durch die Stadt joggen können, wird die weibliche Brust zum gesellschaftlichen Streitpunkt – besonders wenn es um die Ernährung eines Säuglings geht. Eine aktuelle repräsentative Erhebung im Auftrag von MAM Babyartikel offenbart die tief verankerte gesellschaftliche Doppelmoral: Fast jeder fünfte Befragte (19 Prozent) lehnt das sichtbare Stillen im öffentlichen Raum grundsätzlich ab. Ebenso viele empfinden es als unhygienisch oder unappetitlich. Bemerkenswert: Obwohl keine einzige Mutter öffentliches Stillen für unangemessen hält, plädieren drei Prozent der Bevölkerung dafür, stillende Frauen vollständig aus dem öffentlichen Leben zu verbannen.

Die Aussage „Die Brust gehört nicht in den öffentlichen Raum“ mag übergriffig klingen, entspricht aber laut einer neuen repräsentativen Untersuchung der Einstellung von etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Nahezu jeder Fünfte betrachtet das Stillen sogar als „unhygienisch“, während eine kleine, aber entschlossene Gruppe stillende Mütter komplett aus dem öffentlichen Leben verdrängen möchte. Um mehr über ähnliche gesellschaftliche Themen zu lesen, können Sie unseren Artikel über ⇢ Mobbing gegen christliche Namen: Landbauer warnt vor Islamisierung an Schulen besuchen. Die Realität für betroffene Frauen: Wer in der Öffentlichkeit stillt, erfährt Diskriminierung. Statt als Befriedigung eines kindlichen Grundbedürfnisses wird der Vorgang häufig sexualisiert.

Als Reaktion darauf organisiert MAM Babyartikel am 7. August 2025 einen „Still-Stand“ am Wiener Heldenplatz und fordert rechtlichen Schutz für stillende Mütter. Diese Problematik spiegelt sich im Alltag deutlich wider: Stillende Frauen werden „von Männern angestarrt“, „vom Platz verwiesen“ oder „auf die Toilette verdonnert“ – zwei Drittel aller Mütter berichten von negativen Erfahrungen. Die Konsequenz: Frauen, die lediglich ein elementares Bedürfnis ihres Kindes erfüllen wollen, werden in die Isolation oder auf öffentliche Toiletten gedrängt.

Gesellschaftliche Ablehnung

Die täglichen Erfahrungen stillender Mütter werden durch die Umfrageergebnisse eindrücklich bestätigt: Die Diskriminierung ist kein Einzelphänomen, sondern zieht sich durch alle Alters- und Geschlechtergruppen. Lediglich 57 Prozent der Befragten befürworten das Stillen in der Öffentlichkeit, mehr als ein Drittel steht dem ablehnend gegenüber. In bestimmten Bevölkerungsgruppen fällt die Zustimmung noch geringer aus: Bei kinderlosen Personen liegt sie bei nur 53 Prozent, bei 40- bis 65-Jährigen sinkt sie auf 52 Prozent.

Die Daten zeigen deutlich: Wer nicht selbst betroffen ist, bringt weniger Verständnis auf. „Wir kennen die Zahlen, wir kennen die Erfahrungsberichte – und wir erleben seit drei Jahren, wie wenig sich trotz aller Aufklärung ändert. Stillende Mütter werden diskriminiert, weil es im öffentlichen Raum keine klaren Regeln dazu gibt. Diese Unsicherheit betrifft nicht nur die Mütter selbst, sondern das gesamte gesellschaftliche Klima. Stillen muss endlich ausdrücklich erlaubt, Diskriminierung verboten werden. Es braucht ein klares Schutzgesetz – und den politischen Willen, es umzusetzen“, erklärt Georg Ribarov, Country Manager Austria bei MAM.

Fast ein Drittel (29 Prozent) der Befragten vertritt die Ansicht, Stillen an öffentlichen Plätzen sei akzeptabel, solange die Mutter sich dabei bedeckt – eine Erwartung, die impliziert, dass es sich um etwas Verbergenswürdiges handelt. Mehr als jeder Zehnte (11 Prozent) meint sogar, Stillen sei nur dann „akzeptabel“, wenn Mütter sich an einen nicht einsehbaren Ort wie eine Toilette oder eine abgeschirmte Ecke zurückziehen.

„Stellen wir uns vor, ein Erwachsener müsste zum Essen im Lokal aufs Klo ausweichen – völlig undenkbar. Aber stillende Mütter und ihre Babys werden genau dazu gedrängt“, kommentiert Sabrina Krejan, Marketing Managerin bei MAM. Das erschreckende Schlusslicht: Fünf Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen sind der Meinung, dass ausschließlich in den eigenen vier Wänden gestillt werden sollte – was Mütter faktisch aus dem öffentlichen Leben ausschließt.

Forderung nach Schutz

Trotz der gesellschaftlichen Kontroversen zeigt sich ein klarer Trend: Die Mehrheit erkennt Handlungsbedarf. Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) befürworten einen gesetzlichen Schutz für stillende Mütter im öffentlichen Raum – unter jungen Menschen unter 30 Jahren sind es sogar 85 Prozent. „Eine gesetzliche Erlaubnis, öffentlich zu stillen, kann das psychische Wohlbefinden von stillenden Müttern stärken, indem sie das Gefühl von Sicherheit und gesellschaftlicher Akzeptanz erhöht. Ein klarer rechtlicher Schutz beeinflusst nicht nur das Verhalten der direkt Betroffenen, sondern auch ihr Umfeld – die Akzeptanz und Unterstützung in der Bevölkerung kann steigen sowie die Wahrscheinlichkeit für Diskriminierungen sinken“, erläutert die klinische Psychologin Mag. Sanja Prochazka-Piplica.

Besonders hoch ist die Zustimmung unter den direkt Betroffenen: 80 Prozent der Mütter unterstützen entsprechende Schutzmaßnahmen. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung ist eindeutig: 79 Prozent gehen davon aus, dass Stillende in der Öffentlichkeit negative Reaktionen erleben. Doch diese breite Zustimmung geht oft mit Verunsicherung einher: Wo ist Stillen angemessen? Was ist erlaubt?

Genau hier mangelt es in Österreich an klaren politischen Rahmenbedingungen – während andere Länder wie Schottland bereits seit 2005 gesetzlich festgelegt haben, dass das Stillen im öffentlichen Raum nicht behindert werden darf. MAM Babyartikel setzt dieser Unsicherheit ein Zeichen entgegen: Mit dem „Still-Stand“ am 7. August im Rahmen der Weltstillwoche macht das Unternehmen sichtbar, was längst selbstverständlich sein sollte.

Dass Stillen überall erlaubt ist, gesetzlich geschützt gehört und kein Ort der Welt unangemessen sein darf, wenn ein Baby Hunger hat.