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Digitalisierung

Telekom-Schock: KI-Agenten ersetzen bald Kundenberater

Telekom-Schock: KI-Agenten ersetzen bald Kundenberater
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3 Min. Lesezeit |

Die Telekom Austria setzt auf künstliche Intelligenz und plant ein revolutionäres System, das Kundengespräche führen kann – ohne dass Menschen den Unterschied bemerken.

Die Telekom Austria bereitet für das erste Quartal 2026 ein KI-basiertes Kundenserviceangebot vor, kündigte CEO Alejandro Plater an. Das System soll als Plattform fungieren, auf der ein „Ökosystem von KI-Agenten“ anderen Unternehmen aus verschiedenen Branchen zur Verfügung gestellt wird. Laut Plater werden Kunden bald mit einem KI-Agenten kommunizieren, ohne dies zu bemerken, da die Technologie alle Sprachen und regionalen Dialekte erkennen und im gleichen Sprachstil antworten kann.

Die entwickelten KI-Agenten werden fähig sein, Geschlecht und sozialen Hintergrund der Anrufenden zu identifizieren und ihre Kommunikation entsprechend anzupassen. Als naheliegende potenzielle Kunden nennt Plater Callcenter, wobei grundsätzlich alle Kundenservice-Anwendungen in Frage kommen. Der Konzern müsse kontinuierlich neue Geschäftsfelder erschließen, um Wachstum zu sichern, und investiere daher verstärkt in weniger regulierte Bereiche wie Cloud-Computing oder KI, um bestehende Regulierungen zu umgehen.

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Gehaltsverhandlungen

Von der Belegschaft erwarten Plater und Vorstandskollege Thomas Arnoldner mehr Anpassungsfähigkeit. Wie die „Kronenzeitung“ berichtete, hat das Unternehmen seinen Mitarbeitern für 2026 eine Einmalzahlung von 250 Euro und für 2027 eine auf 100 Euro begrenzte zweiprozentige Gehaltserhöhung vorgeschlagen. Arnoldner bedauerte das Durchsickern dieser Informationen aus einer Betriebsversammlung und verwies auf sinkende Einnahmen in Österreich bei gleichzeitig steigenden Umsätzen in anderen Märkten.

Der Konzern beschäftige mehr als doppelt so viele Mitarbeiter wie der nächstgrößere Wettbewerber und zahle durchschnittlich höhere Gehälter. Zudem seien noch 25 Prozent der Belegschaft Beamte, die zusätzliche Gehaltserhöhungen erhielten.

Plater kritisierte, dass das österreichische Kollektivvertragssystem einheitliche Erhöhungen für alle Mitarbeiter vorschreibe. Es biete keine Möglichkeit, die Bereitschaft zur Weiterbildung und Anwendung neuer Fähigkeiten gesondert zu honorieren. Das eigentliche Problem sei nicht die Gehaltshöhe, sondern der Kompetenzerwerb und die Produktivität. Mehr Verdienst ohne persönliche Weiterentwicklung sei „sehr schwierig“. Im Vergleich dazu seien Gehaltserhöhungen für Spezialisten im Bereich Cybersicherheit unproblematisch.

Regulierung

Die Telekom Austria führe keinen Kampf gegen Regulierungsbehörden, betonte Plater. Es müsse jedoch allen bewusst sein, dass jede Regulierung Folgen habe. Die europäische Situation führe zu einer Fragmentierung mit vielen kleinen Telekommunikationsunternehmen, die jeweils wenige Kunden und niedrige Preise hätten.

Während in den USA wenige große Konzerne Hunderte Milliarden in KI-Zentren investierten, fehle in Europa das Kapital für umfangreiche KI-Investitionen, wodurch europäische Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit verlören.

Als Reaktion darauf versucht die Telekom Austria, Kooperationen mit anderen Anbietern aufzubauen. Plater führte bereits Gespräche mit der niederländischen KPN, Vodafone und weiteren Unternehmen, um eine kritische Größe zu erreichen und KI-Anwendungen an verschiedenen Standorten betreiben zu können.

Ein weiteres Hindernis stellen die hohen Kosten der regelmäßigen Frequenzversteigerungen für den Mobilfunk dar. Plater und Arnoldner plädieren für eine Verlängerung bereits zugeteilter Frequenzen ohne zusätzliche Versteigerungskosten. In Ländern wie Deutschland oder Italien sei dies bereits möglich – in Österreich fehle jedoch die gesetzliche Grundlage.

Aus Sicht der Unternehmensführung hat sich die Marktliberalisierung vor 25 Jahren, die dem ehemaligen Monopolisten strenge Auflagen brachte, langfristig als problematisch erwiesen.

Heute herrsche intensiver Wettbewerb, und neue Monopole nutzten die Infrastruktur der Telekom Austria, während europäische Infrastrukturanbieter Schwierigkeiten hätten, ausreichend Kapital aufzubringen.