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Durchbruch

Tick-Tack am Handgelenk: Smartwatches entlarven versteckte Herzprobleme

Tick-Tack am Handgelenk: Smartwatches entlarven versteckte Herzprobleme
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Die digitale Gesundheitsrevolution am Handgelenk zeigt Wirkung: Smartwatches entlarven versteckte Herzrhythmusstörungen viermal häufiger als herkömmliche Methoden.

Smartwatches übertreffen herkömmliche Methoden bei der Erkennung von Herzrhythmusstörungen. Dies belegt eine aktuelle Studie des Amsterdamer Universitätsklinikums UMC, die im renommierten „Journal of the American College of Cardiology“ erschienen ist. Besonders bei Vorhofflimmern, der global häufigsten Form von Herzrhythmusstörungen, zeigen sich die Vorteile der digitalen Helfer. Da diese Erkrankung oft unregelmäßig auftritt und viele Patienten keine Symptome bemerken, bleibt sie häufig unentdeckt.

Ein Forscherteam unter Leitung des Kardiologen Michiel Winter und der Doktorandin Nicole van Steijn ging der Frage nach, ob tragbare Technologie zur Früherkennung beitragen kann. Für ihre Untersuchung wählten sie 437 Personen über 65 Jahre mit erhöhtem Schlaganfallrisiko aus. Die Studienteilnehmer wurden in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt: Eine Hälfte erhielt Smartwatches zur kontinuierlichen Überwachung, während die andere Gruppe mit standardisierten medizinischen Verfahren ohne digitale Unterstützung betreut wurde.

Beeindruckende Ergebnisse

Die Ergebnisse waren beeindruckend: In der Gruppe mit Smartwatches wurde Vorhofflimmern viermal häufiger diagnostiziert. Bei 21 Personen mit digitaler Überwachung konnte die Erkrankung festgestellt und behandelt werden, während in der Kontrollgruppe nur fünf Patienten aufgrund von Symptomen ärztliche Hilfe suchten.

Die Smartwatches nutzten zwei verschiedene Technologien zur Erkennung: die optische Pulsmessung (PPG) und ein vereinfachtes EKG. Während die Pulsmessung lediglich Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten liefert, kann das EKG eine medizinisch fundierte Diagnose ermöglichen. Diese Funktionen sind mittlerweile in Geräten verschiedener Hersteller verfügbar.

Vorhofflimmern zeichnet sich durch unkoordinierte Kontraktionen der Herzvorhöfe aus, wodurch sich Blutgerinnsel bilden können. „Wenn diese Gerinnsel in das Gehirn wandern, können sie einen Schlaganfall verursachen“, erklärte Winter. Die Schwierigkeit bei der Diagnose liegt darin, dass das Flimmern oft nur zeitweise auftritt oder keine spürbaren Beschwerden verursacht – und somit bei Routineuntersuchungen häufig unbemerkt bleibt.

Grenzen der Technologie

Allerdings zeigte die Studie auch Grenzen der Technologie auf. Nicole van Steijn wies darauf hin, dass nicht jeder Alarm berechtigt war. Von den 72 Patienten, bei denen die Smartwatch Alarm schlug, wurde nur bei etwa der Hälfte tatsächlich Vorhofflimmern diagnostiziert.

Studienleiter Winter sieht dennoch großes Potenzial in der Technologie. Er betonte den Vorteil, dass größere Bevölkerungsgruppen überwacht werden können, ohne regelmäßige Krankenhausbesuche.

„Wir erwarten, dass wir definitiv weniger Schlaganfälle aufgrund von Vorhofflimmern sehen werden, wenn wir auf diese Weise in großem Stil untersuchen, da wir Patienten in einem sehr frühen Stadium ihrer Krankheit behandeln können“, sagte Winter.